München – Deutschlands Patienten haben sich in der Pandemie mit digitalen Errungenschaften wie Video-Sprechstunden oder Gesundheits-Apps angefreundet. In der Ärzteschaft ist das nicht durchgängig so. Sie ist in zwei Lager gespalten, hat der IT-Branchenverband mit dem Ärzteverband Hartmannbund in einer Umfrage unter gut 500 Ärzten ermittelt. „Es verläuft ein echter digitaler Graben zwischen Klinik- und Praxisärzten“, erklärt Bitkom-Chef Achim Berg. Während gut acht von zehn Klinikärzten höheres Tempo beim Ausbau digitaler Medizin fordern, sind es bei der niedergelassenen Ärzteschaft nicht einmal halb so viele. „Praxisärzte tragen Kosten für die Digitalisierung selbst, Klinikärzte sind oft jünger“, erklärt Berg die Diskrepanz. Letzteres reflektiert den Umstand, dass Jüngere allgemein technikfreundlicher sind. Das Durchschnittsalter von Praxisärzten ist aber höher als das von Klinikärzten Vorreiter digitaler Medizin sind hierzulande Ärztinnen. Sie sind zu fast drei Vierteln von deren Vorteilen überzeugt. Bei ihren männlichen Kollegen sind es nicht einmal zwei von drei. Das zeigt sich im Alltag. Gerade jeder zwanzigste Arzt kommuniziert mit einer anderen Arztpraxis per E-Mail. Viermal so viele nutzen das Fax und ähnlich oft den Brief. Vor allem wird telefoniert. Zwei Drittel aller Patientenakten sind praxisintern digitalisiert, was so gut wie keine Verbesserung gegenüber einer Umfrage vor drei Jahren darstellt.
In Teilbereichen hat die Pandemie zum Umsteuern geführt. So hat sich in der Corona-Krise die Zahl der Praxisärzte, die Video-Sprechstunden anbieten, auf 17 Prozent fast verdreifacht. Gut die Hälfte davon hat damit positive Erfahrungen gemacht. Aufseiten ihrer Patienten sind das mit 87 Prozent aber viel mehr.
Ab Mitte 2021 wird die elektronische Patientenakte Pflicht. Neun von zehn Klinikärzten glauben, dass ihre Zusammenarbeit mit anderen Ärzten dann einfacher wird. Bei Praxisärzten ist es nur gut die Hälfte. Seit Oktober 2020 ist es zudem erlaubt, ausgewählte Gesundheits-Apps auf Rezept zu verschreiben. Ein Zehntel aller deutschen Ärzte weiß aber nicht einmal, was das ist. Nur zwei Prozent haben schon eine Gesundheits-App etwa zum Kampf gegen Übergewicht verschrieben. Als digitale Bremser in der Medizin haben Ärzte in der Studie vor allem die Komplexität unseres Gesundheitssystems genannt und den hohen Aufwand für IT-Sicherheit sowie Datenschutz.
T. MAGENHEIM-HÖRMANN