Betriebe wollen Mitarbeiter halten

von Redaktion

VON CHRISTIAN VORDEMANN

München – Die wirtschaftliche Lage in Bayern bietet je nach Branche ein höchst unterschiedliches Bild. Das ergab eine Umfrage der IHK Mitte Januar unter 4200 Unternehmen. „Die Stimmung in der bayerischen Wirtschaft ist im Vergleich zum Herbst spürbar gesunken, ist jedoch deutlich besser als beim ersten Lockdown im Frühjahr 2020“, sagte Manfred Gößl, IHK-Hauptgeschäftsführer, gestern bei Vorstellung der Umfrage in München.

Der IHK-Konjunkturindex ist gegenüber Herbst von 107 Punkten auf 98 Punkte zurückgefallen. Im Frühjahr 2020, zum Höhepunkt der ersten Infektionswelle, erreichte der Indikator mit nur 81 Punkten einen deutlich niedrigeren Wert. Es seien mehr Firmen zufrieden (32 Prozent der Befragten) als unzufrieden (28 Prozent).

Bei 47 Prozent der Unternehmen sei der Umsatz im Jahr 2020 gegenüber dem Vorjahr konstant geblieben oder sogar angestiegen. 20 Prozent der bayerischen Wirtschaft verzeichnen dagegen einen Umsatzrückgang von minus 25 Prozent und mehr. „Um diese Firmen müssen wir uns Sorgen machen“, sagte Gößl.

Dabei würden die Arbeitgeber sehr verantwortungsvoll mit ihren Mitarbeitern umgehen. 21 Prozent streichen Stellen und 15 Prozent suchen zusätzliches Personal. Die Kurzarbeit sei die wichtigste Maßnahme, um Personal zu halten. 31 Prozent der Betriebe haben diese beantragt. 32 Prozent der Unternehmen gaben an, dass sie aktuell ihre Personalkapazitäten an eine schwächere Nachfrage anpassen müssten, 68 Prozent verneinten dies. Bevor es aber zu betriebsbedingten Kündigungen komme, würde neben der Kurzarbeit die natürliche Fluktuation zum Stellenabbau und flexible Arbeitszeitmodelle genutzt und befristete Stellen nicht verlängert.

Schon allein wegen des Fachkräftemangels und in Hinblick auf einen künftigen Aufschwung werde versucht, die Mitarbeiter zu halten. Vorerst ist aber die Erholung der bayerischen Wirtschaft vertagt. Am besten steht das verarbeitende Gewerbe da, hier gab es nur einen Rückgang von neun Prozent. „Die Industrie muss weiter machen können“, forderte Gößl deshalb mit Blick auf immer wieder auftauchende Überlegungen, auch Industriebetriebe wegen der Corona-Pandemie zu schließen. Die Industrie profitiert von einem robusten Auslandsgeschäft – Asien und Nordamerika sind die Wachstumstreiber. Am anderen Ende findet sich der Tourismus. 93 Prozent der Unternehmen diese Branche gehe es schlecht.

Im Einzelhandel gebe es eine Spaltung. Strahlender Gewinner sei der Online-Handel mit einem Umsatzplus von 75 Prozent. Der stationäre Handel legte bei Lebensmitteln und Fahrrädern ebenfalls zu. Bekleidung und Schuhe dagegen wurden um 30 Prozent weniger abgesetzt. Jedes dritte Unternehmen erwarte Forderungsausfälle. „Da braut sich was zusammen“, warnte der Hauptgeschäftsführer. Die Investitionsbereitschaft bleibe verhalten, breche aber nicht erneut ein.

Welche weiteren Maßnahmen braucht die Wirtschaft, damit sie durchstarten kann? Impfen und testen, wo immer es geht, keine neuen Belastungen der Unternehmer, die Liquidität stärken und die Digitalisierung vorantreiben, seien das Gebot der Stunde, meinte IHK-Präsident Eberhard Sasse. Die von den Einschränkungen betroffenen Betriebe bräuchten schnelle Hilfen des Staates und dürften nicht durch neue Auflagen oder Belastungen ausgebremst werden. Sorgen mache ihm, dass der Staat immer mehr in das wirtschaftliche Räderwerk eingreifen wolle. „Es gibt eine gewisse Versuchung zum Staatskapitalismus – das ist eine große Gefahr“, sagte Sasse.

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