Warum die Rohstoffpreise auf breiter Front steigen

von Redaktion

Frankfurt – Nicht nur die Rohölpreise zeigen deutlich nach oben. Ähnlich sieht es bei anderen wichtigen Rohstoffen aus, auf die deutsche Firmen angewiesen sind. Nach Angaben der Weltbank lagen die Preise von 53 der 63 beobachteten Rohstoffe im Dezember 2020 über dem Niveau des Vorjahres – und das mitten in der Corona-Pandemie.

Nach Ansicht von Experten hat das weniger mit der Nachfrage zu tun als damit, dass es nach oben gehen könnte, wenn die Pandemie weitgehend im Griff ist. „Vieles ist derzeit stimmungsgetrieben“, sagt Rohstoff-Analyst Carsten Fritsch von der Commerzbank. Er sieht auch einen Zusammenhang mit dem vielen Geld, das derzeit durch großzügige Notenbanken und üppige Konjunkturprogramme in Umlauf ist und nach Anlagemöglichkeiten sucht.

Öl der Nordsee-Sorte Brent ist mittlerweile mit rund 63 Dollar pro Fass (159 Liter) wieder so teuer wie vor dem Beginn der Pandemie. Den Preis treiben auch Produktionskürzungen durch Saudi-Arabien, die aber als vorübergehend gelten. Das könnte im zweiten Quartal für einen Preisrückgang sorgen, bevor die Nachfrage wieder zulegt. Nach Ansicht von Fritsch könnte das vermieden werden, wenn der Iran wieder an den Ölmarkt zurückkehrt – falls die neue US-Regierung die Sanktionen lockert. Dann werde Öl – mit 50 Dollar pro Barrel – deutlich billiger.

Geradezu fulminant ist dagegen die Entwicklung bei Industriemetallen. Zum Teil gab es neue Rekordpreise. Aber auch hier spielt vor allem die Stimmung eine Rolle, heißt es bei Analysten. Der Metallpreisindex LMEX ist seit dem Tiefstand im März 2020 um rund 60 Prozent nach oben gegangen. Kupfer hat sich sogar um 75 Prozent verteuert. „Noch scheint kein Ende der Rally in Sicht“, sagt Daniel Briesemann von der Commerzbank. Große Preissprünge gab es auch bei Nickel und Zinn mit jeweils plus 40 Prozent binnen Jahresfrist. Bei Zink sind es 30, bei Aluminium 20 Prozent.

Treiber ist vor allem die Entwicklung in China. Das Land habe im vergangenen Jahr so viel Kupfer und Eisenerz eingeführt wie nie zuvor. Mittlerweile glauben Experten, dass das Riesenreich diese Mengen aktuell gar nicht benötige und einiges auf Halde liege. Allerdings ist die Entwicklung uneinheitlich, wie Commerzbank-Experte Briesemann sagt. 2020 sei etwa die Stahlnachfrage massiv eingebrochen.

Bei Industriemetallen spielen offenbar aber auch Spekulanten eine Rolle. Sie seien auf den fahrenden Zug aufgesprungen und wetten vor allen auf weiter anziehende Kupferpreise. Die Commerzbank-Experten halten den Markt für Industriemetalle für überhitzt und rechnen mit Preisrückgängen, was der deutschen Industrie zugutekommen sollte.

„Megatrends treiben die Metall-Nachfrage“, heißt es dagegen bei der DZ Bank. Homeoffice führe zu mehr Digitalisierung, was wiederum mehr Rechenzentren erfordere. „Hierfür sind Metalle, die etwa für Kühlungsanlagen, Verkabelungen und die Produktion von Halbleitern benötigt werden, unabdingbar.“ Auch die E-Mobilität fördere die Nachfrage.

Auch Edelmetalle wie Palladium, Platin, Silber und Gold haben sich im Jahresverlauf deutlich verteuert, Silber sogar um fast 47 Prozent. Experten rechnen heuer mit einer weiteren Verteuerung. Deutlich angezogen haben binnen Jahresfrist auch die Preise für Agrarrohstoffe – in der Spitze von 45 Prozent bei Mais und 56 Prozent bei Sojabohnen. ROLF OBERTREIS

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