Frankfurt – Angesichts der zuletzt gestiegenen Anleihe-Renditen und der daraus resultierenden Gefahr steigender Kredit-Zinsen wird die Europäische Zentralbank (EZB) ihr Corona-Krisen-Programm PEPP beschleunigen. „Wir werden die Anleihekäufe im nächsten Quartal mit einem signifikant höheren Tempo umsetzen als in den ersten Monaten dieses Jahres“, sagte EZB-Präsidentin Christine Lagarde gestern nach der Sitzung des EZB-Rates. Über das Volumen machte sie keine Angaben.
Insgesamt hat die EZB für das im März vergangenen Jahres aufgelegte Corona-Krisen-Programm (PEPP) nach zwei Erhöhungen im Juni und Dezember vergangenen Jahres ein maximales Volumen von 1,85 Billionen Euro angesetzt. „Davon steht noch eine Billion zur Verfügung“, betont Lagarde. Bis 5. März hat die EZB Anleihen für insgesamt 878,5 Milliarden Euro gekauft, im Januar für 53 und im Februar für knapp 60 Milliarden Euro. Die höchsten monatlichen Käufe gab es im Juni vergangenen Jahres mit 120 Milliarden Euro. PEPP wird mindestens bis Ende März 2022 laufen und, so Lagarde, „in jedem Fall so lange, bis die Coronavirus-Pandemie nach Einschätzung des Rates überstanden ist“.
Daneben kauft die EZB in ihrem „normalen“ Programm monatlich Anleihen für 20 Milliarden Euro. Das Geld aus getilgten Papieren wird komplett wieder in Käufe gesteckt. Außerdem bietet sie den Banken Sonderkreditlinien mit einem Negativzins von bis zu minus einem Prozent. Den Leitzins, zu dem sich Banken regulär Geld leihen, lässt die EZB weiter bei null Prozent, den Zins für Bankeinlagen bei minus 0,5 Prozent.
Die EZB rechnet ihren neuen Prognosen zufolge in diesem Jahr mit einer Wirtschaftserholung und einem Wachstum in der Eurozone von 4,0 Prozent. 2022 sollen es 4,1 und ein Jahr darauf 2,1 Prozent sein. Die Unsicherheit sei aber sehr groß, sagt Lagarde, wegen der anhaltend hohen Corona-Neuinfektionen und der Ausbreitung der Mutationen.
Insgesamt aber sei es wichtig, weiter für günstige Finanzierungskonditionen und damit für niedrige Zinsen bei Krediten zu sorgen. Freilich seien die Anleiherenditen seit Jahresanfang gestiegen. Bei zehnjährigen Bundesanleihen hatten sie Ende 2020 bei minus 0,58 Prozent gelegen, aktuell sind es nur noch minus 0,33 Prozent.
Mit Blick auf die Inflation gibt Lagarde Entwarnung. Der Anstieg zu Jahresbeginn sei auf die Rücknahme der Mehrwertsteuersenkung in Deutschland, auf den höheren Ölpreis und die geänderte Berechnung der Inflationsrate, etwa wegen der eingeschränkten Reisemöglichkeiten zurückzuführen. Für diese Jahr erwartet die EZB eine Inflationsrate von 1,5 Prozent, 2022 dann 1,2 und im Jahr darauf 1,4 Prozent.