München – Es war ein zähes Ringen, als 1920/1921 viele öffentliche Träger und deren Bedienstete einen Feuerversicherungsverband unter dem Dach der Bayerischen Versicherungskammer gründeten. Doch am Ende wurde daraus eine Erfolgsgeschichte. Zum 100-jährigen Bestehen des Kommunalversicherers wollten die Verantwortlichen wissen, wie die Bayern in den einzelnen Bezirken und auch der Pfalz (heute ein Teil von Rheinland-Pfalz, 1921 noch ein bayerischer Bezirk) ticken.
„Der Anspruch Bayerns, eine besondere Stellung im Chor der Bundesländer zu haben, mag manchmal arrogant klingen“, sagt der Studienautor Stephan Grünewald. „Unsere Tiefeninterviews zeigen jedoch, dass die Bayern von der Einzigartigkeit und Stärke ihrer Heimat überzeugt sind und dass ihr Stolz durch die wirtschaftliche Kraft und landschaftliche Schönheit Bayerns beglaubigt wird.“
Grünewald hat das auch nach Regierungsbezirken differenziert. Und da sticht Oberbayern klar heraus. Mehr als zwei Drittel der Oberbayern (69 Prozent) sehen ihre eigene Region grundsätzlich wirtschaftlich gut aufgestellt. Damit liegt Oberbayern nicht nur zehn Prozentpunkte über dem Landesdurchschnitt. Die anderen Bezirke liefen zwischen 35 (Oberpfalz) und 60 (Niederbayern) Prozent. Entsprechend wenige Oberbayern machen sich Sorgen über einen Stellenabbau (24 Prozent). Bayernweit sind es 29 Prozent.
Jeder dritte Oberbayer findet, dass die Region in der Entwicklung neuer Technologien und Innovationen „ganz vorne mit dabei“ ist. Bayernweit ist es jeder Vierte. Und 24 Prozent der Oberbayern haben den Eindruck, dass die Region bei der Digitalisierung „stark hinterherhängt“. Im gesamten Freistaat sind es 27 Prozent. Doch es zeigen sich auch Schattenseiten des Erfolgs. Während in Niederbayern 25 Prozent und in Oberfranken 24 Prozent kein Problem darin sehen, bezahlbaren Wohnraum zu finden, sind es in Oberbayern (aber auch in Schwaben) nur 13 Prozent. Und dass man sich das Wohnen bald nicht mehr leisten kann, fürchten in Oberbayern 64 Prozent (Bayern: 51 Prozent). Selbst die Attraktivität als Urlaubsregion sorgt für Probleme. 29 Prozent blicken misstrauisch auf die Zunahme von Ferienhäusern.
München ist das wirtschaftliche Kraftzentrum Bayerns. Doch viele, die in München Arbeit finden, wollen außerhalb der Stadt wohnen. Das sorgt für Konflikte mit der angestammten Bevölkerung. Nur 28 Prozent (Bayern 33 Prozent) sehen Neubaugebiete als positive Belebung. Und 29 Prozent (Bayern 23 Prozent) sorgen sich um einen Verlust regionaler Identität. Doch nicht nur bei der Wohnsituation äußern sich die Sorgen, mit kaufkräftigen Neubürgern noch mithalten zu können. 42 Prozent machen sich auch Sorgen, dass das Freizeitangebot immer teurer wird und dass sie sich Essengehen, Kino oder Theater nicht mehr leisten können. In ganz Bayern sind es 37 Prozent.
Auch eine zweite Entwicklung macht vielen Oberbayern Sorgen. Das ausgedünnte Dienstleistungsangebot im ländlichen Raum etwa bei Bankfilialen und das Verschwinden alteingesessener Fachgeschäfte in den Klein- und Mittelstädten. Auf gute Resonanz dagegen stößt die medizinische Versorgung. 69 Prozent der Oberbayern sehen sich medizinisch gut versorgt (Bayern 64 Prozent) und nur 18 Prozent (Bayern 25 Prozent) sind unzufrieden mit der Auswahl an Fachärzten.
Dann geht es auch um die nächste Generation. Während Unis und Hochschulen einen guten Ruf genießen, ist das gute Urteil bei den Schulen getrübt. Es hapert an der technischen Ausstattung. 72 Prozent der Oberbayern sind der Meinung, dass die Digitalisierung in den Schulen stärker als bisher vorangetrieben werden sollte. Der gleiche Wert gilt übrigens für ganz Bayern und über die Landesgrenzen hinaus auch für die heute rheinland-pfälzische Pfalz.
69 Prozent sowohl der Oberbayern als auch der Bewohner des ganzen Freistaats sind überdies der Meinung, dass die Ausbildungs- und Handwerksberufe stärker gefördert werden sollten. Markante regionale Unterschiede gibt es beim Urteil über die Kleinkinderbetreuung. Nur 25 Prozent der Oberbayern sind der Auffassung, dass es ausreichend Betreuungsplätze für Kleinkinder unter drei Jahren gibt.
Ein ausgesprochen gutes Zeugnis stellen die Oberbayern dem Staat und seinen Sicherheitsbehörden aus. „Ich fühle mich geschützt“, gaben immerhin 55 Prozent an. Nur die Niederbayern sind mit 57 Prozent noch etwas zufriedener. Aber auch insgesamt ist im Freistaat mit 54 Prozent das Sicherheitsgefühl gut.