München – Stramm in Richtung Elektromobilität marschieren mittlerweile alle deutschen Autobauer. Premiumhersteller BMW aber will mehr. „Das grünste Elektroauto kommt von BMW“, verspricht Konzernchef Oliver Zipse zur Bilanzvorlage. Und das ist kein Lippenbekenntnis: Der Konzern nennt dazu nachprüfbare Ziele bis 2030 – und das über den gesamten Lebenszyklus inklusive Produktion sowie Zulieferkette.
Binnen zehn Jahren sollen die Emissionen je Fahrzeug um mindestens ein Drittel sinken, in der Nutzungsphase eines Autos sogar um 40 Prozent. Anspruchsvoll sind die Ziele, weil Stromer in der Produktion erst einmal mehr Emissionen verursachen als Verbrenner. Allein in der Lieferkette würden die eigenen Wachstumspläne in der Elektromobilität je Fahrzeug den Ausstoß des Klimakillers Kohlendioxid (CO2) um gut ein Drittel steigen lassen, erklärt Zipse – und will diesen Automatismus durchbrechen. Durch Verpflichtungen an nachhaltiges Wirtschaften seiner gut 7000 Hauptlieferanten will BMW bis 2030 den CO2-Ausstoß in der Lieferkette um ein Fünftel senken. Das soll erstmals beim Vorreiter und neuen Technologieflaggschiff BMW iX vorexerziert werden. Der vollelektrische Geländewagen kommt Ende 2021 auf den Markt. Zudem propagiert der Premiumhersteller die Kreislaufwirtschaft und erklärt recycelten Stahl, Kunststoff oder Aluminium zum neuen Premium. Damit heben sich die Münchner von ihrer Branche ab.
Diese Nachhaltigkeitsziele in Rechnung gestellt, bekommen die BMW-Pläne für Elektromobilität besondere Bedeutung. Hier sticht heraus, dass die Kleinwagenmarke Mini 2025 letztmals ein neues Verbrennermodell auf den Markt bringen wird und Anfang der 2030er-Jahre dann über ein ausschließlich vollelektrisches Angebot verfügen soll.
Bei der Stammmarke BMW selbst bleibt ein Ausstiegsdatum für die Verbrennertechnik dagegen offen. „Das bestimmt die Kundennachfrage“, sagt Zipse. Dennoch drückt BMW bei Stromern auf die Tube. Binnen zwei Jahren soll ein Dutzend vollelektrische Modelle auf die Straße kommen und so fast alle heutigen Marktsegmente abdecken. Ende 2021 werden es fünf reine Elektromodelle sein. „Wir gehen mit unserem vollelektrischen Angebot in die Breite und bleiben nicht in der Nische“, sagt Zipse. Bis 2025 würde der Absatz solcher Autos ab sofort jedes Jahr um deutlich mehr als die Hälfte gesteigert. Fünf Jahre später soll dann mindestens jeder zweite weltweit verkaufte BMW vollelektrisch sein.
Zuvor ist 2025 noch ein wichtiges Datum in den Strategieplänen. In dem Jahr will BMW Modelle der „Neuen Klasse“ starten. Der Begriff ist eine Anleihe aus den 60er- Jahren, wo BMW unter diesem Schlagwort ein komplett neues Modell-Portfolio auf den Markt gebracht hat, das damals alte Zöpfe radikal abgeschnitten hat. Das soll sich 2025 wiederholen, wobei BMW den neuen Geländewagen BMW iX als eine Art Stammvater der Entwicklung sieht. „Wir wollen das Auto neu denken mit einer auf Elektromobilität zugeschnittenen Architektur“, erklärt Zipse. Dazu zähle auch die Brennstoffzelle. Wie VW plant dabei auch BMW mit einer stabilen Rendite im elektromobilen Hochlauf. „Wir trauen uns viel zu“, sagt Zipse. Acht bis zehn Prozent operative Umsatzrendite im reinen Autogeschäft gelten für BMW als Profitabilitätsziel auch im Elektrozeitalter. Im Coronajahr 2020 war sie auf 2,7 Prozent eingebrochen bei einem um ein Viertel auf 3,9 Milliarden Euro verminderten Jahresüberschuss. 2021 soll die Gewinnmarge wieder auf sechs bis acht Prozent zulegen. Neben dem Gewinn soll auch der Absatz dieses Jahr wachsen.
Keinen neuen Stellenabbau muss im Gegensatz zu VW das Personal von BMW befürchten. Im Vorjahr wurde es per natürlicher Fluktuation und Regelungen zum Vorruhestand um 5300 auf noch gut 120 700 Stellen reduziert. Dieses Abbauprogramm läuft 2021 aus, was noch einige hundert Stellen kosten dürfte. Eine neue Sparrunde ist auch mittelfristig nicht in Sicht. BMW plant auch in der Elektromobilität mit einem unveränderten Personalstand.