Wirtschaftsweise korrigieren Prognose nach unten

von Redaktion

Bundesweit 3,1 Prozent Wachstum für 2021 erwartet – Bayern schwächelt bei Exporten – Sorge um Lieferketten

München/Berlin – Die Corona-Pandemie hat Deutschland weiter fest im Griff – allerdings geben Impfungen und eine mögliche Öffnung der Wirtschaft Anlass zur Hoffnung: Die sogenannten Wirtschaftsweisen rechnen 2021 daher mit einem Anstieg des Bruttoinlandsprodukts (BIP) um 3,1 Prozent. Im Herbst waren sie allerdings noch von 3,7 Prozent ausgegangen. Deutschland sei „weit weg von der schweren wirtschaftlichen Situation“ im Frühjahr 2020, sagte Volker Wieland, Mitglied im derzeit vierköpfigen Sachverständigenrat zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung. Der globale Warenhandel liege wieder über dem Krisenniveau, da sich Deutschlands Handelspartner wie China und die USA erholten und die deutsche Industrie gut laufe.

Für 2022 rechnet der Sachverständigenrat mit einem Wachstum von 4,0 Prozent. Außerdem könnte die deutsche Wirtschaft zum Jahreswechsel 2021/22 wieder Vorkrisenniveau erreichen.

Was die Exporte angeht, gibt es aus dem Freistaat Bayern weniger gute Signale. Eine Umfrage der IHK ergab, dass die Unternehmen ihre Exportaussichten so schlecht einschätzen wie noch nie. „Unsere Betriebe machen sich im Zuge der anhaltenden Corona-Krise große Sorgen um die weltweiten Absatzchancen, aber auch um ihre Lieferketten“, sagte Eberhard Sasse, Präsident des Bayerischen Industrie- und Handelskammertags (BIHK). Im Januar lagen die bayerischen Exporte 10,8 Prozent unter dem Vorjahresniveau. „Wir müssen alles tun, dass diesem Dämpfer im Januar nicht viele weitere folgen“, sagte Bayerns Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger.

Deutlich weniger als im Vorjahr der vom BIHK befragten Unternehmen berichten in der jährlichen Umfrage von guten Auslandsgeschäften. Weltweit stechen nur China, die EU und Nordamerika als Regionen heraus, in denen die Geschäfte aktuell gut laufen oder die Erwartungen überwiegend positiv ausfallen. „Der zweite Lockdown hat den konjunkturellen Aufholprozess gestoppt und bremst die bayerische Wirtschaft weiter aus. Wir hatten zum Jahreswechsel ein Wachstum des bayerischen BIP um 3 Prozent in diesem Jahr prognostiziert, unter der Prämisse, dass man das Infektionsgeschehen ab Frühjahr so weit in den Griff bekommt, dass keine nennenswerten Einschränkungen der Wirtschaft mehr nötig sind“, sagte vbw-Hauptgeschäftsführer Bertram Brossardt. „Aus unserer Sicht wird es zunehmend schwieriger, beim Wachstum die 3 vor dem Komma zu erreichen.“

Ein „zügiger Impffortschritt“ sei die „größte Chance für die Konjunktur“, sagte Sachverständigenratsmitglied Veronika Grimm. „Damit Deutschland das EU-Ziel, 70 Prozent der erwachsenen Bevölkerung zu impfen, bis Ende September 2021 erreicht, muss die Anzahl der täglichen Impfungen in den Impfzentren um 50 Prozent gesteigert werden.“ cv/afp/dpa

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