München – Der MVV hat es schon, auch in anderen Bundesländern ist es bereits eingeführt. Jetzt fordert die bayerische DGB-Jugend ein flächendeckendes 365-Euro-Ticket für Auszubildende – eines, das rund um die Uhr im gesamten Freistaat in allen Bussen und Bahnen gilt. Die 365 Euro sind – wie beim MVV – ein Jahrespreis. Doch das ist die Ausnahme. Die meisten Linienbetreiber nehmen wesentlich höhere Preise von Auszubildenden. Das Gefüge von Ausbildungstarifen bei vielen Bus- und Bahnunternehmen reicht bis weit über 200 Euro – Monat für Monat.
Das ist schwer zu schultern, wenn man noch nicht so viel verdient, wie sich in einer Umfrage unter Betroffenen zeigt. 35 Prozent der Auszubildenden haben mehr als 20 Kilometer zum Betrieb. 30 Prozent müssen für den regelmäßigen Besuch in der Berufsschule über 40 km fahren. Das reißt tiefe Löcher ins Budget. 80 Prozent der Auszubildenden müssen mehr als 50 Euro monatlich für Fahrkosten ausgeben, und 39,1 Prozent sogar mehr als 100 Euro.
Das ist vor allem für ältere Auszubildende ein Problem, die trotz des knappen Salärs eine eigene Wohnung möchten. Immerhin 65,4 Prozent aller Auszubildenden haben diesen Wunsch. Bei den über 26-Jährigen sind es sogar fast 90 Prozent, die dringend vom Hotel Mama und Papa weg und auf eigenen Füßen stehen möchten.
90 Prozent der Auszubildenden würden ein Azubi-Ticket nutzen. Das wäre durchaus auch für die Umwelt ein Gewinn. Denn derzeit fahren ebenso viele mit dem Auto zur Ausbildungsstätte wie mit Bus oder Bahn.
Allerdings hilft ein Ticket allein vielen nicht weiter. In Dörfern ganz ohne Anbindung an den öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV), oder solchen, wo nur zweimal täglich ein Bus hält, bliebe das Auto trotz eines günstigen Tickets unverzichtbar.
Knapp 38 Prozent der Auszubildenden können ihren Betrieb gar nicht oder nur schwer mit öffentlichen Verkehrsmitteln erreichen. Daher fordert die DGB-Jugend auch den Ausbau des ÖPNV. Dass der Weg zu einem umfassenden Angebot an Bussen nicht leicht ist, ist auch den DBG-Verantwortlichen klar. „Aber auch ein kleiner Schritt ist ein wichtiger Schritt“, sagt Svenja Thelen Bezirksjugendsekretärin beim DGB Bayern. Sachsen-Anhalt und Thüringen haben bereits ähnliche Modelle. Die sind zwar unterschiedlich ausgestaltet. „Aber immer zeigt sich, es funktioniert“, sagt Thelen. „Für die Auszubildenden wäre das finanziell eine enorme Entlastung. „Gleichzeitig lässt sich so die Attraktivität der dualen Ausbildung weiter steigern.“ MARTIN PREM