München – Die Allianz hält ihre Dividenden stabil und schüttet für das Geschäftsjahr 2020 je Aktie 9,60 Euro aus – so viel wie im Vorjahr. Das beschloss die Hauptversammlung am Mittwoch in München. Damit ist es der Allianz trotz Pandemie gelungen, an ihrer Dividendenpolitik festzuhalten. Ziel der Allianz ist es, die Dividenden jedes Jahr zu erhöhen oder mindestens stabil zu halten.
Auf Nachfrage von Aktionären versicherte Finanzvorstand Giulio Terzariol auf dem virtuellen Aktionärstreffen, dass die Allianz in der Pandemie weder Staatshilfen erhalten noch Kurzarbeitergeld angemeldet habe. Die Allianz beabsichtige auch nicht, dies zu tun. Der staatliche Schutzschirm für die Warenkreditversicherer, von dem die Allianz-Tochter Euler Hermes profitierte, sei ein Schutzschirm für Lieferketten und nicht für Versicherer.
„Unser Geschäftsmodell ist widerstandsfähig“, rief Vorstandschef Oliver Bäte angesichts der Corona-Krise den Aktionären zu. Die Allianz sei robust und könne starke Schocks ausbalancieren. „Wir sind nach über 130 Jahren Unternehmensgeschichte weiter auf dem richtigen Weg.“ Die Allianz sei gut gerüstet, auch die nächsten Jahre krisenfest zu überstehen.“ Der Kern der Strategie: „Einfach gewinnt.“ Bäte sagte: „Wir haben tausend Produkte weltweit, die sind alle verscheiden gebaut. Sie gehören unterschiedlichen Tarifgenerationen an, sie laufen auf unterschiedlichen Systemen.“ Das führe zu großer Komplexität in der IT, und das wolle er ändern. Schritt für Schritt sollten daher digitale, intuitiv verständliche Produkte eingeführt werden, basierend auf weltweit einheitlichen „Master-Produkten“.
Der Allianz-Chef nahm auf dem Aktionärstreffen auch Bezug auf die Rechtsstreitigkeiten mit Wirtshäusern und Restaurants im vergangenen Jahr, nachdem Gastronomiebetriebe in Deutschland auf behördliche Anordnung hin schließen mussten. „Natürlich haben wir die kritischen Stimmen zu Betriebsschließungsversicherungen zur Kenntnis genommen“, sagte Bäte. „Allerdings sei auch gesagt: Wir können nur für Risiken einstehen, die auch gedeckt sind.“ Der Allianz-Chef räumte aber ein, dass man das Thema Betriebsschließungsversicherungen in Zukunft besser angehen müsse. „Unsere Kunden müssen wissen, was in Einzelfall versichert ist und was nicht.“ Insgesamt habe es hier vergangenes Jahr 4600 Schadensmeldungen gegeben. Im Falle von Gerichtsverfahren sei in 41 Prozent der Entscheidungen die Klage aber abgewiesen worden. 220 Fälle seien bei den Gerichten noch anhängig. Und im Falle von außergerichtlichen Vergleichen habe die Allianz keine Zahlungen geleistet, die über die ursprüngliche Forderung hinausgegangen seien.
Von den großen Fonds erhielt der Vorstand Rückendeckung für seinen Kurs: „Das Management um Oliver Bäte hat den Tanker Allianz solide durch das schwierige Corona-Jahr 2020 gesteuert“, teilte Ingo Speich von der DekaBank im Vorfeld der Hauptversammlung mit. Janne Werning von Union Investment nannte die Allianz einen „Garant für Verlässlichkeit“.
Der Vorstandschef selbst kann im laufenden Jahr mit mehr Geld rechnen, wie aus dem Vergütungsbericht hervorgeht, den die Aktionäre billigten. Sofern Bäte die Unternehmensziele komplett erreicht, erhält er 7,37 Millionen Euro, inklusive Altersvorsorge. 2020 waren es 6,5 Millionen. SEBASTIAN HÖLZLE