München – Mehr als 90 Prozent der Firmen in Deutschland sind laut einer aktuellen Studie der DZ Bank in Familienbesitz. Sie machen rund 52 Prozent des Gesamtumsatzes der deutschen Wirtschaft aus und stellen etwa 58 Prozent aller sozialversicherungspflichtigen Beschäftigungsverhältnisse in Deutschland. Und sie gelten als sehr krisenresistent.
Das scheint auch ein Blick auf den Aktienindex Dax-plus Family nahezulegen. Der Index enthält Firmen, bei denen die Gründerfamilie einen Stimmrechtsanteil von mindestens 25 Prozent hat oder in Vorstand oder Aufsichtsrat sitzt und wenigstens fünf Prozent der Stimmrechte hält. Ende Januar 2021 liegt der Dax-plus Family auf Sicht von einem Jahr mit 10,70 Prozent im Plus. Zum Vergleich: der deutsche Leitindex Dax kommt im selben Zeitraum nur auf einen Zuwachs von 3,14 Prozent.
Langfristig ist der Unterschied, wie die Analysten der DZ Bank in der Studie „Erfolgsfaktor Familie“ nachgerechnet haben, ebenfalls recht deutlich. Über einen Zeitraum von 15 Jahren legte der Dax–plus Family 30, der nur die 30 größten und liquidesten Werte des Dax-plus Family-Index umfasst, rund 10,7 Prozent pro Jahr zu. Der Dax brachte es im selben Zeitraum nur auf ein jährliches Plus von 6,5 Prozent.
Tatsächlich gibt es zahlreiche Untersuchungen, die die Widerstandsfähigkeit von familiengeführten Firmen in Krisenzeiten und deren langfristiges Renditepotenzial bestätigen. Zum Beispiel hat das auch die TU München im Auftrag der Stiftung Familienunternehmen untersucht. Das zentrale Ergebnis: Familienfirmen weisen im Untersuchungszeitraum zwischen 2009 und 2018 eine operative überdurchschnittliche Performance auf, die auf die Eigentümerstruktur zurückzuführen ist. Zudem haben die Forscher festgestellt, dass ein wachsender Einfluss einer Familie auch mit einer noch besseren Wertentwicklung einhergeht.
Interessanterweise lässt sich dieser Befund auch international beobachten. Die Credit Suisse kommt in ihrem Report („Credit Suisse Family 1000: Post the Pandemic“) vom September 2020 zu der Erkenntnis, dass sich Familienfirmen während der Corona-Pandemie über alle Regionen und Sektoren hinweg besser entwickelt haben als Firmen, die von Managern geführt werden. Das schlug sich auch in der Aktienkursentwicklung nieder: So brachten die Titel internationaler familiengeführter Unternehmen im ersten Halbjahr 2020 weltweit rund drei Prozentpunkte mehr als die nicht-familiengeführter Firmen.
Doch woran liegt das? Die Analysten der DZ Bank führen das unter anderem darauf zurück, dass „die Eigentümer einen klaren Fokus auf nachhaltiges und langfristiges Wachstum legen und nicht auf einzelne Quartalsergebnisse, wie es angestellte Manager mitunter tun“. Das heißt, sie denken in Generationen und wirtschaften vorsichtiger. Das führt dazu, dass stärker auf Kosten geachtet wird, dass solche Firmen geringere Risiken eingehen und dass sie selten in andere Geschäftsbereiche diversifizieren. Schließlich geht es ja um das Geld der Familie.
Zugleich weisen diese Gesellschaften eine vergleichsweise hohe Eigenkapitalquote auf. Laut der Studie der TU München liegt diese im Median bei deutschen familiengeführten Firmen bei 42 Prozent, bei anderen nur bei 28 Prozent. Außerdem spielt neben der langfristigen strategischen Ausrichtung auch eine Rolle, dass solche Unternehmen einen Ankeraktionär haben. Dieser kann in Krisen mit frischem Kapital helfen.
In der durch die Corona-Pandemie ausgelösten schwierigen Phase haben diese Unternehmen das laut der DZ Bank auch getan. Etwa 40 Prozent der familiengeführten Betriebe wurden zusätzliche Mittel aus dem Privatvermögen bereitgestellt, um die Liquidität zu sichern oder das Eigenkapital zu erhöhen. Diese Möglichkeit haben andere Firmen nicht, da die Geldaufnahme über Banken oder den Kapitalmarkt während einer Krise kaum möglich ist.
Zwar bergen Familienunternehmen auch ein Risiko. Schließlich scheitern inhabergeführte Firmen immer wieder und nicht zuletzt aufgrund von persönlichen Streitigkeiten innerhalb der Familie. Dennoch können das langfristig bessere Abschneiden und die relativ hohe Krisenresistenz solche Aktien für Anleger besonders interessant machen.
Eine Möglichkeit ist es, sich selbst ein Portfolio aus diesen Unternehmen zusammenzubauen. Anleger werden dabei im Daxplus Family Index oder im German Entrepreneurial Index GEX fündig. Dort sind große und bekannte Konzerne wie SAP, Henkel oder Fresenius und etliche kleinere familiengeführte Firmen enthalten. Allerdings erfordert ein solches Vorgehen viel Know-how und eine intensive Auseinandersetzung mit den einzelnen Unternehmen.