München – Die öffentlich-rechtlichen Sparkassen sowie die genossenschaftlich organisierten Volks- und Raiffeisenbanken kämpfen auf demselben Markt um dieselben Kunden. Die Sorge um die Zukunft des dreigliedrigen deutschen Bankensystems, bestehend aus Privatbanken, Sparkassen und Volksbanken, hat aber nun zu einem seltenen Schulterschluss geführt: Am Freitag präsentierten Sparkassen und Genossenschaftsbanken über ihre Spitzenverbände in München ein gemeinsames Positionspapier. Ziel ist es, sich bei den Spitzen von SPD, Grünen und FDP angesichts der geplanten Koalitionsgespräche in Berlin Gehör zu verschaffen.
„Wenn die Politik möchte, dass das Drei-Säulen-Modell auch künftig mittelständische Wirtschaftsstrukturen und über den Wettbewerb auch die Verbraucherinteressen stärkt, muss sie die Grundlage dafür legen und sie auch weiter pflegen“, sagte Ulrich Reuter, Präsident des bayerischen Sparkassenverbandes. Jürgen Gros, Präsident des Genossenschaftsverbandes Bayern, ergänzte: „Wir finden beide, dass das Drei-Säulen-Modell hervorragend ist.“ Gemessen an der Bilanzsumme aller Banken im Freistaat liege der gemeinsame Anteil von Sparkassen und Volksbanken bei 33 Prozent. Der gemeinsame Anteil der vergebenen Kredite liege in Branchen wie dem Handwerk bei 92 Prozent. „Regionale Kreditinstitute werden mehr denn je gebraucht“, sagte Gros.
Die Verbände warnten die möglichen Koalitionäre in Berlin davor, den Mittelstand mit zu strengen Nachhaltigkeitszielen zu überfrachten. Auch kritisierten sie Überlegungen, Preisdeckel für Dispozinsen einzuführen, Gebühren am Geldautomaten zu deckeln oder die Provisionsberatung zu verbieten.
Sparkassen-Präsident Reuter äußerte sich besorgt über Pläne, die Einlagensicherung im Rahmen der europäischen Bankenunion zu internationalisieren. „Allein die 64 bayerischen Sparkassen haben haben in ihren regionalen Einlagensicherungsfonds 600 Millionen Euro zurückgelegt, um die Kundinnen und Kunden abzusichern.“ Das Geld würde von einem Tag auf den anderen in den europäischen Stabilitätsmechanismus fließen. Andere europäische Institute hätten dann Zugriff. SEBASTIAN HÖLZLE