Was hinter dem Aus der Maestro-Karte steckt

von Redaktion

VON ROLF OBERTREIS

Frankfurt – Bei Millionen Verbrauchern in Deutschland steckt mindestens eine Girocard im Geldbeutel. Banken und Sparkassen haben rund 100 Millionen Girocards ausgegeben. Auf den allermeisten prangt auf der Vorderseite rechts unten ein rot-blaues Logo: das Maestro-Zeichen. Es garantiert, dass mit der Karte im Ausland Geld abgehoben und an der Ladenkasse bezahlt werden kann, sofern an den Automaten und Zahlungsterminals ebenfalls das Maestro-Zeichen zu sehen ist. Damit soll am 1. Juli 2023 in Europa Schluss sein. Das hat der Zahlungsdienstleister Mastercard mitgeteilt, der die Maestro-Funktion zur Verfügung stellt (wir berichteten). Grund nach Angaben des US-Unternehmens: Das Geschäft lohnt sich nicht mehr, der Zahlungsverkehr werde digitaler, das Verbraucher-Verhalten ändere sich.

Bei Debitkarten wie der Girocard mit oder ohne Maestro-Zeichen wird das dazugehörige Konto sofort mit dem Betrag belastet, der abgehoben oder der an einer Kasse bezahlt wurde. Dagegen wird bei Kreditkarten das Geld erst später dem Konto belastet, meist durch eine monatliche Abrechnung. Mit einer reinen Girocard kann im Übrigen nur in Deutschland bezahlt werden. Nachteil der Girocard mit oder ohne Maestro-Zeichen: Einkäufe im Internet oder das Bezahlen per Smartphone sind nicht möglich. Mastercard bietet neben der bekannten Kreditkarte aber eine eigene, weltweit nutzbare und internetfähige Debitcard. Das gilt auch für den Konkurrenten Visa. Er bietet neben der Kreditkarte mit V-Pay eine eigene weltweit nutzbare Debitcard.

Bei deutschen Banken und Sparkassen versichert man, die Girocard könne auch nach dem Maestro-Aus im Ausland genutzt werden. „Banken und Sparkassen können auch nach dem von Mastercard angekündigten Wegfall des Produktes ,Maestro‘ gewährleisten, dass ihre Kundinnen und Kunden die Girocard auch im Ausland weiterhin nutzen können“, sagte eine Sprecherin des Sparkassen-Verbandes DSGV. Welche internationalen Kartenzahlprodukte künftig genutzt würden, liege in der Hand des jeweiligen Instituts, das Girocards ausgebe.

Die Sparkassen-Gruppe hat in Kooperation mit Mastercard die Debit Mastercard (DMC) kreiert – über das sogenannte Co-Badging. Eigens dafür wurde eine Webseite (https://jetztallesmoeglich.de) geschaltet. Dort ist ein Muster der Karte zu sehen, rechts prangen ineinander verschränkt ein roter und gelber Kreis. Damit könne im Ausland wie auch im Internet und per Smartphone bezahlt werden. Unter anderem bietet die Stadtsparkasse Düsseldorf bei einem Kontomodell die DMC-Karte kostenlos an. Insgesamt gilt das laut Finanzszene aber derzeit nur für 19 der 376 Sparkassen. Grund: die angeblich komplizierte Prozessabwicklung. Von Privatbanken sowie Volks- und Raiffeisenbanken gibt es vergleichbare Angebote nicht – noch nicht.

Eine Option ist generell auch eine Kooperation mit dem Mastercard-Konkurrenten Visa, der mit V-Pay ebenfalls ein weltweit nutzbares Debit-System anbietet. V-Pay soll nach Angaben von Visa vorerst nicht verschwinden.

Generell aber ist für eine Umstellung noch Zeit. Der Stichtag für das Aus von Maestro zum 1. Juli 2023 ist nur bedingt relevant. Nach Informationen aus der Kreditwirtschaft können alle Karten bis zum Ende der aufgedruckten Laufzeit verwendet werden, im besten Fall bis Ende 2027, sofern sie bis Juni 2023 neu ausgegeben werden. Experten befürchten aber, dass das Maestro-Zeichen von Geldautomaten und Kassenterminals in Europa schon vorher nach und nach verschwinden wird.

Deutsche und europäische Geldhäuser sehen die Abhängigkeit im Zahlungsverkehr von den beiden US-Konzernen ohnehin kritisch. Deshalb arbeiten 31 Institute aus sieben Ländern in der European Payment Initiative (EPI) an einem eigenen Zahlungssystem für Handel, Online-Geschäfte, Geldautomaten und auch den direkten Zahlungsweg zwischen Verbrauchern. Der Aufbau kostet angeblich rund 1,5 Milliarden Euro. Bis 2026 soll es soweit sein. Allerdings gibt es laut Finanzszene derzeit Probleme bei der Finanzierung.

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