München – Vergangenes Jahr war für die stationären Einzelhändler ein trauriges Weihnachten: So leer die Fußgängerzonen waren, so voll blieben die Regale. Dieses Jahr soll es besser werden – wenn nicht ein zweiter Dezember-Lockdown die Menschen zum Online-Handel drängt.
„Das Weihnachtsgeschäft ist extrem wichtig für den Einzelhandel, manche Branchen machen in dieser Zeit 40 Prozent ihres Jahresumsatzes“, erklärte Ernst Läuger gestern in München. Der Präsident des Handelsverbands Bayern (HBE) hofft eine heilsame Sanierung der teilweise angeschlagenen Branche in November und Dezember: „Wir erwarten in Bayern einen Rekordumsatz von 14,2 Milliarden Euro, davon 2,3 Milliarden im Online-Geschäft.“ Letzteres hatte in den letzten Jahren sprunghaft zugenommen. Denn während die Gesamtumsätze dieses Jahr nur um zwei Prozent steigen sollen, wird für das Online-Geschäft ein Zuwachs von 17 Prozent erwartet. Für Ernst Läuger ist der Trend existenzbedrohend: „Wir leben von der weihnachtlichen Stimmung in unseren Ladengeschäften.“ Für HBE-Hauptgeschäftsführer Wolfgang Puff ist eine erneute Verschärfung der Corona-Maßnahmen im Einzelhandel überflüssig: „Wir tun mit Masken, Abständen, lüften und desinfizieren alles für die Sicherheit unserer Kunden.“ Vielmehr würde eine 2G-Regel und eine Beschränkung der Kunden pro Quadratmeter die Absatzfrequenz empfindlich treffen und Wartezeiten provozieren. Die Aussicht, in langen Schlangen in der Kälte warten zu müssen, treibe viele Kunden ins Internet. Neue Vorschriften wären deshalb „tödlich“ für viele Läden, wie Puff sagte.
Denn nach dem coronabedingt schlechten Vorjahr stehen viele Geschäfte vor dem Aus, wie HBE-Sprecher Bernd Ohlmann unserer Zeitung sagte. „Zwischen 2019 und 2020 ist der Anteil des Online-Handels um 23 Prozent gestiegen, viele Händler sind also auf ihrer Ware sitzen geblieben.“ Ein großes Problem, denn ohne Verkäufe fehle oft das Geld, das Frühjahrssortiment einzukaufen – eine Abwärtsspirale.
Die Verbraucher lassen sich von der Möglichkeit neuer Einschränkungen nicht abschrecken. „Wir haben 5500 Menschen befragt und 90 Prozent freuen sich auf das Fest“, sagte Ernst Läuger. Die gute Stimmung schlage sich auch bei den Präsenten nieder: „Im Schnitt wollen die Bayern 571 Euro für geschenke ausgeben“, so Läuger. Das sei mehr als letztes Jahr und im Bundesdurchschnitt, ein Zeichen dafür, dass Bayern prosperiere. Bedacht werden vor allem Partner, Kinder und Verwandte. Läuger erklärt: „Im Trend liegen die Klassiker: Bücher, Kleidung, Schmuck und Gutscheine.“ Letztere und andere Geldgeschenke werden laut HBE ein Viertel der Geschenke ausmachen. „Menschen, die sich nicht sicher sind, greifen eher zum Gutschein als früher“, so Läuger. Das beschert dem Handel erfreuliche Umtauschquoten: „Aktuell sind es um die fünf Prozent, das können wir sehr gut stemmen.“
Leere Regale werde es dieses Jahr nicht geben: „Obwohl wegen Corona viele Lieferketten gestört sind, werden wir alle Kunden bedienen können“, versicherte Läuger. Um auch vereinzelte Leerstände zu umgehen, sollten die Menschen am besten schon im November Geschenke kaufen. Zunehmend wichtig sei für die Branche auch der sogenannte Black Friday, an dem viele Geschäfte mit hohen Rabatten locken.