München – Bayern ist bekannt als exportstarkes Bundesland. Autos, Maschinen und chemische Produkte aus dem Freistaat sind weltweit gefragt. Und dennoch: Seit dem Jahr 2018 übersteigen die Importe wertmäßig den Export.
„Laut unserer Beobachtung sind dafür mehrere Faktoren verantwortlich“, sagt Katharina Toparkus, Sprecherin des Bayerischen Industrie- und Handelskammertages (BIHK). Gerade im Jahr 2018 hätte es ein großes Plus bei Erdöl und Erdgas gegeben – dies könne neben Preisgründen auch an erhöhten Mengen liegen. Gleichzeitig wären die Pkw-Exporte gesunken, verbunden mit einem Anstieg an Pkw-Importen. „Außerdem gibt es generell eine Verschiebung in der Wertschöpfungskette“, sagt Toparkus. Immer mehr bayerische Hersteller ließen nun auch im Ausland produzieren. „Das könnte auch zum negativen Saldo beitragen. Zudem gab es auch vor Corona schon einen Abschwung in der Automobilbranche“, erklärt Toparkus weiter. „Auch die Pandemie überschattet das Ganze ein wenig. Daher sind die Zahlen schwierig einzuordnen.“
In den ersten drei Quartalen des Jahres 2021 hat der Freistaat nach Zahlen des bayerischen Landesamts für Statistik Waren im Wert von insgesamt 140 Milliarden Euro ausgeführt – 15,4 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum. Nach dem coronabedingten Konjunktureinbruch im Jahr 2020 hatten sich die Exporte im darauffolgenden Jahr wieder erholt.
Die wichtigsten Exportländer für Bayern waren die USA, China, Österreich, Frankreich und Italien (siehe Tabelle). Auffallend: Von Januar bis September dieses Jahres wurden Waren im Wert von 154 Milliarden Euro importiert – 18,2 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum. Die wichtigsten Lieferländer waren China, Österreich, Polen, Tschechien und Italien.
Das wirkt sich auf den Außenhandelssaldo aus: Insgesamt importierte Bayern in den ersten drei Quartalen 14 Prozent mehr an Waren als er exportierte – dieses Exportdefizit ist Rekord (siehe Grafik). Damit setzt sich ein Trend fort, der seit Jahren zu beo-bachten ist. Noch bis 2018 war der ausgeführte Warenwert Bayerns in allen Jahren größer als der importierte – seit 2018 befindet sich der Außenhandelssaldo im Minus.
Den größten Anteil am bayerischen Export haben Fahrzeuge, die ein Viertel der gesamt ausgeführten Waren ausmachen. 19,8 Prozent der Exporte entfällt laut Statistik auf elektrotechnische Erzeugnisse. „Beispielsweise ist es so, dass wir China die Teile liefern und die fertigen Produkte zurückbekommen“, sagt die IHK-Sprecherin. Auch Maschinen sowie chemische und pharmazeutische Erzeugnisse haben einen großen Anteil an der bayerischen Ausfuhr.
Bei den Importen sieht es ähnlich aus: Am meisten werden elektrotechnische Erzeugnisse (22,8 Prozent) und Fahrzeuge (15,1 Prozent) eingeführt. „Das sind einerseits die ausländischen Automarken wie Renault, Citroën, Skoda, Fiat und so weiter, aber auch Sonderfälle wie bei BMW, wo manche Modelle nur im Ausland produziert werden“, sagt Toparkus. Es folgen Maschinen (11,2 Prozent) und chemische und pharmazeutische Erzeugnisse (10,6 Prozent). Die Pharma-Importe haben laut BIHK auch durch Corona zugenommen. Masken, Schnelltests oder Impfstoffe werden in großen Mengen eingeführt.
Trotz des Rekord-Defizits im Außenhandel bleibt der Freistaat ein exportstarkes Land: Die Exportquote der bayerischen Industriebetriebe beläuft sich seit Jahren auf über 50 Prozent. Die Quote gibt das Verhältnis der Exporte zum Jahresumsatz eines Betriebs beziehungsweise einer Volkswirtschaft an. Seit Jahresbeginn 2021 bewegt sich diese Quote mit 57,1 Prozent auf Rekordniveau.
In der bayerischen Industrie beziehungsweise im verarbeitenden Gewerbe hängt jeder zweite Arbeitsplatz am Export. Ob der Negativsaldo in absehbarer Zukunft aber wieder ins Plus dreht, ist schwer zu prognostizieren. Aktuell gibt es nach Expertenansicht zu viele Unsicherheitsfaktoren, auch als Folge der Pandemie.