Vier Wäschetrockner für Flut-Millionen

von Redaktion

VON ROLF OBERTREIS

Frankfurt/Mainz – Mit Wäschetrocknern hatten die Geldbearbeitungsexperten der Bundesbank bis Mitte vergangenen Jahres noch nie gearbeitet. Dann türmen sich ab Juli nach der Flutkatastrophe im Ahrtal und in Regionen von Nordrhein-Westfalen Berge von verschmutzten Banknoten. Kurzfristig besorgte sich die Bundesbank vier handelsübliche Wäschetrockner.

„Das hat alles in den Schatten gestellt, was wir bislang gemacht haben“, sagte Bundesbank-Vorstandsmitglied Johannes Beermann, als er Bilanz der Säuberungsarbeiten zog. Bis Jahresende nahmen die Experten im Nationalen Analysezentrum der Bundesbank in Mainz exakt 1 573 032 verschmutzte Banknoten entgegen und zahlten nach der Reinigung und Prüfung dafür 99 636 020 Euro an die Geschädigten aus. Dazu kommen noch einmal 1,1 Millionen Euro für beschädigte Münzen, sodass die Bundesbank mehr als 100 Millionen Euro ersetzt hat.

Insgesamt 1933 Anträge auf Erstattung von durch die Flut massiv beschädigten Euroscheinen liefen bei der Bundesbank ein, 285 von überspülten Volksbanken und Sparkassen, 1648 von Privatpersonen. Die Bundesbank erstattet malträtierte Banknoten, sofern mehr als 50 Prozent noch erhalten sind oder wiederhergestellt werden können. Ausgeschlossen sind mutwillig zerstörte Scheine.

„Eine maschinelle Bearbeitung der Scheine war nicht möglich“, sagt Beermann. Hätte man sie auf natürliche Art getrocknet, wären Brocken entstanden hart wie Beton, die dann auseinandergefallen wären. Weil es zudem schnell gehen musste, habe man die vier Trockner angeschafft. Gegen den Gestank habe man Duftzusätze in die Trockner gefüllt. Und Tennisbälle, damit sich die Scheine im Trockner nicht verkanten. Zum Teil hätten die Trockner vier Stunden laufen müssen, so Beermann. Auch danach war Handarbeit gefragt, um die Scheine auf Echtheit zu prüfen und letztlich zu zählen. 23 Experten waren mit der Arbeit beschäftigt.

Am Ende hat die Bundesbank den Kreditinstituten Scheine im Gegenwert von 40 369 200 Euro ersetzt. Privatpersonen erhielten 59 266 820 Euro. Der höchste Erstattungsantrag belief sich dabei nach Angaben der Bundesbank auf einen niedrigen einstelligen Millionenbetrag. Im Schnitt waren es 36 000 Euro. Eine Summe, die Beermann überrascht. Untersuchungen der Bundesbank zufolge halten Privathaushalte im Schnitt nur Scheine im Gegenwert von nicht einmal 1400 Euro zu Hause. Offenbar seien in der Gegend einige so begütert, dass sie soviel Geld im Haus liegen haben. Allerdings zählen zu beschädigten und erstatteten Scheine auch die, die in Schließfächern bei einer Volksbank oder Sparkasse gelagert wurden.

Wie massiv die Schäden waren, zeigt nach Angaben von Beermann auch der Vergleich zum Hochwasser im Jahr 2013. Damals hatte die Bundesbank 150 000 Banknoten im Gegenwert von sechs Millionen Euro ersetzt. Die Dimension der durch die Flutkatastrophe im vergangenen Jahr beschädigten Banknoten wird auch daran deutlich, dass normalerweise pro Jahr im Schnitt 850 000 Banknoten im Gegenwert von 40 Millionen Euro in Mainz bearbeitet werden.

Noch nicht durch ist die Bundesbank mit der Säuberung der Münzen. Rund 1,25 Millionen Stück wurden mit knapp 400 Anträgen eingereicht. Gegenwert: knapp 1,1 Millionen Euro. Die Münzen müssen gewaschen und – weil meist verklebt – von Hand getrennt werden. Bis Mitte März sollen die restlichen 25 Anträge abgearbeitet sein.

Einen der Wäschetrockner hat die Bundesbank im Übrigen bereits an das Haus der Geschichte in Bonn geschickt, wo er an das Jahrhunderthochwasser erinnern soll.

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