Neubiberg – Reinhard Ploss hat allen Grund zur Freude: Der scheidende Infineon-Chef hinterlässt beim Halbleiterspezialisten ein zukunftsträchtiges Erbe.
Ploss´ Werk wurde bei der gestrigen Aktionärsversammlung nicht nur von seinen Vorstandskollegen gewürdigt: Auch Daniela Bergdolt von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) war voll des Lobes für den Manager. Dieser habe aus einem Unternehmen, dessen Aktie einst unter einem Euro gelegen habe, einen stabilen Konzern gemacht und es „wie ein guter Spürhund“ durch die Wellenbewegungen des Marktes geführt. Sie werde seine Erklärungen der Infineon-Produkte vermissen. Bergdolt hofft auch in Zukunft auf „ein stabiles Unternehmen mit stabilen Aussichten.“
Markus Golinski von Union Investment pries den „strategischen Weitblick“. Ploss übergebe ein Unternehmen „mit sehr guten Wachstumsaussichten“ an seinen Nachfolger Jochen Hanebeck.
Ploss konnte bei seinem Abschied mit starken Zahlen glänzen. Aktuell surft Infineon auf der Welle einer extrem hohen Nachfrage nach Chips. Mit über elf Milliarden Euro konnten die Neubiberger ihren Umsatz im Jahr 2021 um 29 Prozent steigern. Das ergab einen operativen Gewinn von über zwei Milliarden Euro. Das dürfte vor allem die Aktionäre freuen: Die Dividende pro Aktie wurde von 22 auf 27 Cent erhöht.
Und auch auf lange Sicht ist die Entwicklung beeindruckend. Seit der Ingenieur Reinhard Ploss, dem eine unerschütterliche Gelassenheit nachgesagt wird, 2012 Vorstandsvorsitzender wurde, hat sich die Zahl der Mitarbeiter bei Infineon verdoppelt, der Umsatz verdreifacht und der Wert der Aktie vervielfacht, wie Aufsichtsratschef Wolfgang Eder Eder aufzählte.
Auch für die kommenden Jahre präsentierten die Vorstände den Aktionären glänzende Aussichten für die kommenden Jahre: In wenigen Monaten soll der Bau eines dritten Werkes im malayischen Kulim beginnen. Dort sollen ab 2024 Halbleiter aus Siliziumkarbid und Galliumnitrid entstehen. Bei voller Auslastung soll das etwa zwei Milliarden Euro teure Werk Umsätze in der gleichen Höhe erwirtschaften.
Wachstumsaussichten verspricht sich Infineon unter anderem durch die Energiewende. So sollen in diesem Jahrzehnt allein durch Anwendungen in der Photovoltaik zwischen 3,5 und vier Milliarden Euro umgesetzt werden.
Ein weiterer Wachstumsfaktor sei außerdem das Internet der Dinge (Internet of Things, kurz IoT). Gemeint ist die zunehmende digitale Vernetzung von Verbrauchsgegenständen. Dies sei unter anderem in der Automobilindustrie ein Faktor.
Reinhard Ploss wird die Geschäfte in Neubiberg noch bis zum 31. März führen. Danach wechselt der Ingenieur in den Aufsichtsrat des Münchner Konzerns Knorr-Bremse.
mas/dpa