MAN baut Elektro-Lkw ab 2024 in Serie

von Redaktion

VON THOMAS MAGENHEIM-HÖRMANN

Nürnberg – Das Rennen hin zu einem Fertigungsstart von Elektro-Lkw nimmt Fahrt auf. „Wir beginnen jetzt Anfang 2024 und damit ein Jahr früher als bisher geplant mit der Produktion der schweren Elektro-Lkw“, kündigte der neue MAN-Chef Alexander Vlaskamp im Beisein von Bayerns CSU-Ministerpräsident Markus Söder im Nürnberger MAN-Werk an. Dort hat der Lkw-Bauer einen seriennahen Elektro-Prototypen präsentiert. „Wir müssen die Elektrifizierung unserer Flotte noch schneller vorantreiben“, erklärt der Manager.

Ebenfalls ab 2024 will auch Daimler Elektrolaster in Serie bauen. Das gilt auch für den MAN-Schwesterkonzern Scania aus Schweden, der wie die Münchner unter dem Dach der VW-Nutzfahrzeugtochter Traton arbeitet.

MAN beginnt 2024 mit einer Miniserie von 200 bis 400 2025 werde man durchstarten und 2500 bis 3000 batterieelektrische Lkw im Münchner MAN-Werk bauen, sagt Vlaskamp. Bis 2030 wollen die Traton-Marken jeden zweiten Brummi in einer elektrischen Version verkaufen. Spätestens bis dahin sollen voll fernverkehrstaugliche Elektro-Lkw heutige Dieselantriebe und andere Antriebstechniken in den Schatten stellen.

Eine technologische Hintertür wollen die Bayern dennoch öffnen. Dazu entwickeln sie jetzt mit 8,5 Millionen Euro Fördergeld aus Bayern und den Industriepartnern Bosch, ZF und Faurencia einen Brennstoffzellen-Lkw. Bislang hat MAN diese Technologie links liegen lassen. In Serie plane man auch weiterhin keinen Brennstoffzellen-Lkw, betont Vlaskamp. Aber: „Wir wollen uns die Technologie für bestimmte Anwendungsfelder offenhalten“, sagt Vlaskamp und hat Zeiten nach 2030 im Auge.

Daimler dagegen hat für 2027 den Serienstart für Brennstoffzellen-Lkw im Blick und baut mit Konkurrent Volvo auch eine Brennstoffzellenfabrik. Nur bei extrem schwere Lasten oder Dauereinsatz rund um die Uhr, kann laut Vlaskamp die Brennstoffzelle punkten. Mit rasant steigenden Batteriereichweiten verschwinde gerade ein zentrales Argument für sie. Dazu kommt der Kostenvorteil: Zum Preis einer Wasserstofftankstelle können rund 15 000 Elektroladepunkte errichtet werden, rechnet MAN vor.

Elektro-Lkw sieht auch Forscher Patrick Plötz vom Fraunhofer-Institut für System- und Innovationsforschung (ISI) klar im Vorteil gegenüber der Brennstoffzelle. Weltweit und vor allem in China seien schon rund 30 000 Elektro-Lkw unterwegs und über 150 Elektro-Modelle angekündigt, während Brennstoffzellen-Lkw über Testeinsätze noch nicht hinausgekommen sind. Wenn die ab 2027 auf den Markt kommen, gebe es bereits die zweite Batteriegeneration für Elektro-Lkw mit großen Reichweiten, sagt auch der Forscher.

Neue Schnellladesysteme würden zudem die Ladezeiten bald erheblich verkürzen. Grünen Wasserstoff aus erneuerbaren Energien werde es zudem noch jahrelang nicht in genügender Menge geben, um den auch im Fernlastverkehr einzusetzen. Ökonomisch und ökologisch besser sei es, Stahlwerken oder der Luftfahrt den Vorrang bei grünem Wasserstoff zu gewähren. Für Brennstoffzellen-Lkw bleibe nur eine Nische.

MAN sieht sich mit dem klaren Fokus auf Elektro-Lkw dadurch bestätigt – auch wegen Vorteilen bei den Energiekosten. „Gerade auf der Langstrecke werden reine Elektro-Lkw in den meisten Fällen die günstigere und umweltfreundlichere Lösung sein“, betont Traton-Technologiechefin Catharina Modahl-Nilsson. Bei Lastern mit Brennstoffzellen gingen drei Viertel der Ausgangsenergie per Umwandlungsverlust verloren.

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