Brüssel – Wegen der Spannungen mit Russland sucht die EU-Kommission neue Wege, um die europäischen Gasspeicher bis Oktober zu mindestens 80 Prozent zu füllen. Das kündigte Energiekommissarin Kadri Simson am Donnerstag an. Dafür könnten Versorger oder Netzbetreiber in die Pflicht genommen werden. Darüber hinaus plant die EU-Kommission einen „Pakt für erneuerbare Energien“, um die Gasnutzung zu reduzieren. Damit sollen Genehmigungsverfahren für Ökostromprojekte beschleunigt werden. EU-Staaten sollen laut dem Entwurf Geld aus dem CO2-Emissionshandel in Projekte mit erneuerbaren Energien stecken. Bis 2030 sollten zudem jährlich rund 35 Milliarden Kubikmeter Biogas in der EU produziert werden.
Denn obwohl nach wie vor russisches Gas nach Europa fließt, wird die Lage an den Großmärkten zunehmend dramatisch. Bereits im November und Dezember erreichten die Preise am kurzfristigen Spot-Markt fast 180 Euro pro Megawattstunde, normal sind laut Branchenkennern eher 20 bis 25 Euro.
Ähnliches kündigt sich jetzt für den Sommer an, wo die Speicher für die kommende Heizsaison gefüllt werden müssen. Denn aus Gründen der Planungssicherheit vereinbaren viele Händler in Termingeschäften schon heute, welchen Preis sie in Zukunft bezahlen werden. Das passiert an Börsen wie der EEX. Bis vor Kurzem zeichnete sich hier eine mittelfristige Entspannung der Lage ab: Am 17. Januar kostete eine Megawattstunde Erdgas für den Sommer 2022 etwa 63 Euro und für den Sommer 2023 knapp 37 Euro. Am Dienstag kletterten die Sommer-Preise für dieses Jahr dann auf 160 Euro. Das schlug sich auch auf Sommer 2023 nieder: Für die Megawattstunde wurden über 61 Euro vereinbart. Energieversorger, die die Verbraucherpreise festlegen, versuchen solche Preisspitzen beim Einkauf zu meiden und günstigere Phasen abzuwarten. Je länger eine Hochpreisphase jedoch anhält, desto eher müssen sie teuer einkaufen, um ihren Bedarf zu decken. Die günstigen Gaspreise der vergangenen Jahre sind damit ohne deutliche Entspannung der Beziehungen zu Russland auch langfristig nicht greifbar. Ein größeres Angebot aus anderen Quellen als Russland sowie größere Reserven könnten jedoch Panikreaktionen an den Märkten abmildern. Ob die von der Kommission angekündigten Käufe indes die Preise am Dienstag zusätzlich angeheizt haben, ist spekulativ. mas/dpa