Wacker fordert Industrie-Strompreis von vier Cent

von Redaktion

München – Der Chemiekonzern Wacker hat ein ausgesprochen erfolgreiches Jahr hinter sich: Trotz Lieferengpässe und hoher Rohstoffpreise konnte er seinen Gewinn im vergangenen Jahr vervierfachen. Die Erwartungen für das laufende Jahr sind wegen der prognostizierten Energiekosten jedoch etwas gedämpft.

„Wir haben beim Umsatz eine neue Dimension erreicht“, sagte Wacker-Vorstandschef Christian Hartel gestern in München. Er hat allen Grund, zufrieden zu sein. Trotz aller Widrigkeiten der Corona-Krise konnte der Münchner Spezialchemie-Konzern im vergangenen Jahr mit 6,21 Milliarden Euro 32 Prozent mehr umsetzen als noch im schwachen Vergleichszeitraum 2020. Der Erfolg zog sich durch alle Geschäftsbereiche: 21 Prozent Plus bei Polymeren und Silikonen, 20 Prozent bei Biochemie und stolze 93 Prozent bei Polysilizium. Denn die hochreine Form des Halbmetalls bildet sowohl die Basis für die Herstellung von Photovol–taikanlagen als auch von Halbleitern. Christian Hartel: „Wir konnten nicht nur mehr Absatz, sondern auch höhere Marktpreise erzielen.“ Durch die hohen Margen konnte Wacker 2021 einen Rekordgewinn von 828 Millionen Euro einfahren. Davon sollen auch die Aktionäre profitieren: „Wir werden eine Ausschüttung von acht Euro pro Aktie vorschlagen“, sagte Hartel. Das entspräche einer Rendite von etwa sechs Prozent.

Angesichts von teils hysterischen Börsenpreisen werden die Kosten für Strom und Gas jedoch zu einer wachsenden Herausforderung für die energieintensive Produktion werden, erklärte Finanzvorstand Tobias Ohler: „Vergangenes Jahr sind die Kosten für Energie und Rohstoffe um 25 Prozent gestiegen, insgesamt waren es 2,5 Milliarden Euro. Für das laufende Jahr erwarten wir 3,5 Milliarden Euro.“ Deshalb werde man das gestern vorgelegte Rekordergebnis 2022 nicht erreichen können. Das liege vor allem am unabwägbaren Krieg in der Ukraine. Die Kalkulation stützt sich auf die Beobachtung der Termingeschäfte am Markt. Ohler sieht Wacker jedoch vorbereitet: „Wir kaufen unsere Energievorräte zwei bis drei Jahre im Voraus ein, der Bedarf für 2022 ist schon zu zwei Dritteln gedeckt.“

Vorstandschef Christian Hartel forderte indes einen bedeutend niedrigeren Industriestrompreis von vier Cent pro Kilowattstunde: „Der Strompreis in Deutschland liegt ein Vielfaches über dem unserer Wettbewerber“. Wichtig sei deshalb eine schnelle Abkehr von fossilen Energieträgern, für die seit vergangenem Jahr horrende Preise bezahlt werden müssen: „Die Transformation zu Erneuerbaren Energien ist der Schlüssel zum Erfolg“. Denn kein Strom sei so günstig wie Solarstrom.

In Zukunft will Wacker sein Wachstum fortsetzen und dabei weiter von großen Trends wie der Digitalisierung und der Dekarbonisierung profitieren. Dafür will der Konzern im In- und Ausland investieren, denn 60 Prozent seines Umsatzes erwirtschaftet er außerhalb Europas: „Wir sehen, dass wir in Regionen mit einer Niederlassung eine weit bessere Marktdurchdringung erreichen“, so Hartel.

MATTHIAS SCHNEIDER

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