Frankfurt/Berlin – Bankenpräsident Christian Sewing erwartet eine baldige Reaktion der Europäischen Zentralbank (EZB) auf die nochmals gestiegene Inflation. „Bei allen Ungewissheiten spricht doch vieles dafür, schon bald die Netto-Anleihenkäufe zu beenden und dann ein erstes Zinssignal zu setzen“, sagte der Deutsche-Bank-Chef in seiner Funktion als Präsident des Bundesverbandes deutscher Banken. „Ein Signal, das es jetzt dringend braucht.“ Je eher die EZB gegensteuere, umso besser sei dies für die Entwicklung der deutschen und europäischen Wirtschaft. Oberstes Ziel der EZB sind mittelfristig stabile Preise im Euroraum bei einer Teuerungsrate von zwei Prozent. Im Währungsraum der 19 Länder sprang die Inflation im März 2022 auf das Rekordniveau von 7,5 Prozent. Auch in Europas größter Volkswirtschaft Deutschland trieben kräftig steigende Energiepreise die jährliche Teuerungsrate im März über die Sieben-Prozent-Marke: Mit 7,3 Prozent wurde der höchste Stand im wiedervereinigten Deutschland verzeichnet. Mit höheren Zinsen kann steigende Inflation bekämpft werden. „Auf Dauer hohe Inflationsraten sind Gift für die Stabilität unserer Wirtschaft. Und das nicht nur, weil hohe Raten der Geldentwertung Unternehmen und Konsumenten gleichermaßen verunsichern“, sagte Sewing. „Es geht auch darum, dass die Politik des billigen Geldes seit Jahren mit schädlichen Umverteilungseffekten einhergeht.“ Vor allem Menschen mit geringeren Einkommen würden belastet. Höhere Inflationsraten schmälern die Kaufkraft von Verbrauchern, weil sie sich für einen Euro dann weniger leisten können. Der Leitzins im Euroraum liegt auf dem Rekordtief von null Prozent. dpa