Wiesbaden – Die Inflation frisst sich immer tiefer in die Budgets der Verbraucher und die Sorgen der Menschen in Deutschland wachsen. Viele wollen laut einer Umfrage auf nicht notwendige Anschaffungen verzichten, um mit den steigenden Preisen zurechtzukommen. Im April verteuerten sich nach Daten des Statistischen Bundesamtes neben Energie auch Nahrungsmittel überdurchschnittlich stark. Die Juso-Vorsitzende Jessica Rosenthal forderte eine dauerhafte Streichung der Mehrwertsteuer auf Grundnahrungsmittel.
Nach Einschätzung von Ökonomen müssen sich Verbraucher auch in den kommenden Monaten auf Teuerungsraten von mehr als sieben Prozent einstellen. Im April lagen die Verbraucherpreise um 7,4 Prozent über dem Niveau des Vorjahresmonats. Das Statistische Bundesamt bestätigte damit eine erste Schätzung.
Es war der höchste Stand seit der deutschen Wiedervereinigung 1990. In den alten Bundesländern wurde eine ähnlich hohe Teuerungsrate im Herbst 1981 infolge des ersten Golfkriegs zwischen dem Irak und dem Iran gemessen. Von März auf April dieses Jahres stiegen die Verbraucherpreise in Europas größter Volkswirtschaft um 0,8 Prozent.
Stark gestiegene Energiepreise heizen die Inflation an. Der Krieg in der Ukraine hat diesen Trend noch verstärkt. Hinzu kommen unterbrochene Lieferketten unter anderem aufgrund des Corona-Lockdowns in Teilen Chinas. Im März war die jährliche Teuerungsrate bereits auf 7,3 Prozent geschnellt.
Höhere Inflationsraten schmälern die Kaufkraft von Verbrauchern, weil sie sich für einen Euro weniger leisten können. Die Bundesregierung hat inzwischen zwei milliardenschwere Pakete geschnürt, um die Menschen zu entlasten.
Im April verteuerte sich Energie gegenüber dem Vorjahresmonat um 35,3 Prozent. Die Preise für leichtes Heizöl verdoppelten sich nahezu. Auch für Sprit (38,5 Prozent) und Erdgas (47,5 Prozent) mussten Verbraucher deutlich mehr zahlen. Nahrungsmittel kosteten 8,6 Prozent mehr als ein Jahr zuvor. Mehr als vier von fünf Menschen in Deutschland (85 Prozent) sind aufgrund der hohen Preissteigerungen besorgt. Viele von ihnen wollen ihre Ausgaben für Möbel, Elektronik, Schmuck und Sportartikel reduzieren, um mit den steigenden Preisen zurechtzukommen, wie aus einer repräsentativen Umfrage der Beratungsgesellschaft PwC hervorgeht.
Für das Gesamtjahr rechneten Volkswirte zuletzt mit einer durchschnittlichen Teuerungsrate von mehr als 6 Prozent in Deutschland. Die Bundesbank geht inzwischen von nahezu 7 Prozent aus. Im Jahr 2021 lag die Inflationsrate im Schnitt noch bei 3,1 Prozent.
Vier von fünf Menschen in Sorge