Der staatliche russische Energieriese Gazprom hat nach eigenen Angaben die Gaslieferungen an den dänischen Versorger Ørsted sowie Shell Energy Europe eingestellt. Gazprom habe die Lieferungen an die beiden Konzerne beendet, weil diese sich weigerten, ihre Gaszahlungen auf Rubel umzustellen, teilte das Unternehmen am Mittwoch mit. Von dem Lieferstopp gegenüber Shell ist auch Deutschland betroffen.
Das Logistikunternehmen DB Schenker rechnet noch mit monatelangen Problemen im internationalen Frachtverkehr. Angesichts der Unterbrechung der Lieferketten etwa im Handel mit Asien sehe er kurzfristig keine Entspannung, sagte der Vorstandsvorsitzende des Tochterunternehmens der Deutschen Bahn, Jochen Thewes, bei einem Logistik-Kongress in Berlin. „Die Schließung der Häfen gerade in Shanghai war eine Megadisruption auf den wichtigsten Fahrtgebieten.“
Die Ölpreise haben am Mittwoch zugelegt. Am Mittag kostete ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent 117,23 US-Dollar. Das waren 1,63 Dollar mehr als am Vortag. Der Preis für ein Fass der US-amerikanischen Sorte West Texas Intermediate (WTI) legte um 1,60 Dollar auf 116,27 Dollar zu. Die Ölpreise hatten nach den Öl-Sanktionen der Europäischen Union (EU) gegen Russland am Vortag vorübergehend Höchststände seit Anfang März erreicht.
Zwar rutschte der Deutsche Aktienindex Dax gestern zum Handelsschluss wieder etwas ab. Kapitalmarktstratege Jürgen Molnar von RoboMarkets sieht den Index insgesamt aber auf Konsolidierungskurs. Zuletzt habe die Aussicht auf ein Ende des Lockdowns in Shanghai die Rezessionssorgen verringert. „Ob und wann die Öffnungen in China allerdings einen positiven Effekt für die arg strapazierten Lieferketten haben werden, ist zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht abzuschätzen“, erklärte Molnar.
Die Papiere der DWS stürzten weiter ab und weiteten die Verluste binnen zwei Handelstagen auf rund 12 Prozent aus. Tags zuvor hatte die Meldung über eine Durchsuchung der Geschäftsräume die Aktien der Fondsgesellschaft vom höchsten Stand seit Mitte Februar nach unten gerissen. Nach Angaben der Staatsanwaltschaft Frankfurt besteht der Verdacht des Kapitalanlagebetrugs. Die Muttergesellschaft Deutsche Bank kündigte in der Nacht zum Mittwoch einen Chefwechsel bei der DWS an.
Der Bund-Future verlor 0,03 Prozent auf 151,60 Punkte.