München – Die bayerische Wirtschaft rechnet für das laufende Jahr mit moderatem Wachstum – im Falle eines Gasembargos würde es jedoch zu einer Rezession kommen. Dementsprechend groß sind die Zukunftsängste der Industrie:
„Der Lage-Index Wachstum, der die aktuelle Geschäftslage widerspiegelt, sank von 132 auf 124 Punkte“, erklärt Wolfram Hatz, Präsident des Arbeitgeberverbandes Vereinigung der bayerischen Wirtschaft (vbw). Grund für die getrübte Geschäftslage seien die stark erhöhten Preise für Energie, Rohstoffe und andere Vorprodukte, sowie die strikte Null-Covid-Politik Chinas, die die internationalen Lieferketten stört.
Die Erwartungen für den Rest des Jahres sind weit schlechter: „Der Prognose-Index Wachstum fiel von 118 auf 97 Punkte“, erklärt Hatz. Das sind knapp 18 Prozent. Ein möglicher Erdgasstopp hängt nach wie vor als Damoklesschwert über den Betrieben. „Dies würde die bayerische Wirtschaft massiv treffen und zu einer Rezession führen“, sagt Wolfram Hatz.
Ursprünglich hatte die vbw für 2022 3,4 Prozent Wachstum erwartet. Diese Prognose musste der Verband „deutlich nach unten korrigieren“. Dementsprechend kalkuliert die vbw mit drei Szenarien:
Für das Basisszenario „unterstellen wir, dass sich die Konjunktur in der zweiten Jahreshälfte moderat erholt“, sagt Wolfram Hatz. Das bedeute 1,8 Prozent Wachstum beim bayerischen BIP.
„In unserem zweiten Szenario gibt es bis Jahresende keine Entspannung bei den Lieferengpässen und damit auch nicht bei der Inflation“, so Hatz weiter. In diesem Fall seien jedoch immer noch 1,2 Prozent Wachstum zu erwarten.
Brechen die Gaslieferungen ein, so das dritte Szenario, ist mit einer Rezession, also dem Schrumpfen der Wirtschaft zu rechnen. Wie sehr, sei noch nicht abzuschätzen.
Der vbw-Präsident fordert deshalb, die Energiesteuer zu senken, den Abbau von Bürokratie, sowie schnellere Genehmigungsverfahren. Mit Blick auf die gestiegenen Lebenshaltungskosten sagt Hatz: „Es kann sein, dass die Löhne wegen der starken Inflation angepasst werden müssen.“
Um Druck vom Markt zu nehmen, wünschen sich die Arbeitgeber den Weiterbetrieb der letzten Atomkraftwerke. „Ich möchte betonen: vorläufig. Wir wollen keinen dauerhaften Fortbestand der Kernkraftwerke“, so Hatz. Vielmehr sollten die Erneuerbaren Energien massiv ausgebaut werden, sowie die Fernleitungsnetze. Hier sieht Hatz Versäumnisse in der Politik: „Hätte man rechtzeitig Windräder auf See gebaut, hätten wir die Probleme, die uns heute beschäftigen, nicht.“ MATTHIAS SCHNEIDER