München – Das Thema Mehrwegverpackungen in der Gastronomie hat in den vergangenen Jahren einen rasanten Aufstieg hingelegt. Als Florian Pachaly die Firma Recup im Jahr 2017 gründete, hätte er nicht gedacht, dass sein erdachtes Prinzip eines Tages in jeder deutschen Stadt zum Tragen kommt. Doch spätestens seit dem Ausbruch der Pandemie war der anfallende Müll durch To-go-Verpackungen plötzlich überall präsent. Mit ihrem Mehrwegsystem für Schalen und Becher wurde die Münchner Firma daher innerhalb kürzester Zeit vom unbekannten Start-up zum größten Anbieter Deutschlands.
Die Idee dahinter ist dabei recht simpel. „Die Gastronomen zahlen uns eine Systemgebühr von rund 30 Euro im Monat“, erklärt Pachaly. Dafür können sich die Betriebe Pfandbecher oder mittlerweile auch Pfandschüsseln ausleihen, um darin ihre Speisen und Getränke zu verkaufen.
Das Pfand von einem Euro pro Becher, beziehungsweise fünf Euro pro Schüssel, geben die Gastronomen bei der Bestellung an den Kunden weiter. Jeder, der sich zum Beispiel einen Kaffee im Recup bestellt, zahlt also einen Euro Leihgebühr, den er bei der Rückgabe des Bechers wiederbekommt. In den teilnehmenden Restaurant oder Cafés wird der recycelbare Behälter gereinigt und kann anschließend wieder ausgegeben werden.
So soll der Verpackungsmüll ohne großen Mehraufwand und zusätzliche Kosten reduziert werden. „Für den Kunden entstehen keine Mehrkosten“, meint der Firmengründer aus Rosenheim. Für die Gastronomen rechnet sich das Pfandsystem, bei einem Durchschnittspreis von rund neun Cent pro Einwegbecher, ab dem zwölften ausgegebenen Getränk pro Tag. Dann ist die anfallende Servicegebühr wieder refinanziert.
Gleichzeitig ließen sich bei diesem Beispiel mehr als 4000 Einwegbecher im Jahr einsparen. Für Pachaly ist das ein wichtiger Beitrag seines Geschäftsmodells. Zumal laut einer Studie des Umweltbundesamtes in Deutschland jährlich circa 19 Milliarden Einweggetränkebehälter im Abfall landen.
Richtig präsent wurde die Problematik der Einwegverpackungen allerdings erst durch die coronabedingte Schließung der Restaurants. „Das war ein richtiger Boom“, erinnert sich Pachaly. Innerhalb kurzer Zeit hatte das junge Unternehmen so viele Anfragen, dass sie gar nicht alle Interessenten beliefern konnten. Mittlerweile nutzen deutschlandweit rund 12 000 Betriebe das Münchner Pfandsystem.
Dass der Ansatz mittlerweile etabliert ist, zeigt auch die Auszeichnung von Recup mit der Bayerischen Umweltmedaille im Herbst 2021.
Auch die Stadtpolitik unterstützt inzwischen Projekte und Konzepte wie Recup. Im April beschloss der Münchner Stadtrat, Systeme für Mehrweggeschirr in der Gastronomie und im Einzelhandel zu fördern. Jeder Betrieb, der ein solches einführt, kann demnach eine Förderung von bis zu 500 Euro beantragen.
Eine weitere Explosion der Nachfrage nach Mehrwegpackungen erwartet Pachaly spätestens im Januar 2023. Ab dann gilt eine gesetzliche Mehrwegpflicht für alle Betriebe mit einer Verkaufsfläche von 80 Quadratmetern und mehr als fünf Mitarbeitern.
Nach der Erfahrung aus der Pandemie rät der Rosenheimer Geschäftsführer daher den Betrieben, sich bereits jetzt um eine Lösung zu kümmern. „Viele haben gerade andere Sorgen und denken da noch überhaupt nicht dran“, ist er überzeugt.
Das werde sich jedoch bereits im Herbst ändern. Auch wenn es mittlerweile zahlreiche Anbieter von Mehrwegsystemen wie beispielsweise Vytal, Relevo oder Recycle gibt, fürchtet Pachaly, dass die Nachfrage dann erneut die Kapazitäten sprengen könnte. Gemäß dem Statistischen Bundesamt wurden im Jahr 2020 rund 200 000 Gaststättengewerbe in Deutschland erfasst. Selbst wenn nur die Hälfte der Anbieter unter die Mehrwegpflicht fällt, brauchen demnach mehr als 100 000 Betriebe ein neues System. Der nächste Aufschwung im To-go-Geschäft ist für Pachaly daher nur eine Frage der Zeit. VON KORBINIAN SAUTTER