München – Die vier Spitzenverbände der deutschen Wirtschaft haben in einem Gespräch mit Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) auf eine stabile Gasversorgung gedrungen. Eine zuverlässige und wettbewerbsfähige Rohstoffversorgung sei die Basis des Wirtschaftsstandorts Deutschland, hoben Industrieverband BDI, Arbeitgeber, der Zentralverband des deutschen Handwerks (ZDH) und der Industrie- und Handelskammertag (DIHK) am Freitag bei dem Treffen mit Scholz auf der Münchner Handwerksmesse hervor. „Hohe Priorität kommt aktuell der Sicherstellung einer stabilen Gasversorgung zu“, hieß es. „Wir müssen unabhängiger bei Lieferketten und Energieversorgung werden.“ BDI-Präsident Siegfried Russwurm regte zusätzlich an, kurzfristige Ersatzlösungen zu prüfen: „Wir tun in Bayern gut daran, zu überlegen, ob’s nicht auch andere Verbindungen gibt, die man relativ kurzfristig noch ertüchtigen kann, zum Beispiel Verbindungen nach Norditalien.“ Vielleicht sei das LNG-Terminal in Triest der bessere Einspeisepunkt als über Leitungen aus Belgien und den Niederlanden. Auswirkungen hat die Stabilität der deutschen Gasversorgung nach Russwurms Worten auch auf Nachbarländer: „Man muss das Ganze im europäischen Kontext sehen“, sagte der BDI-Cef. „Unsere Nachbarn im Süden und im Osten, die Österreicher, Tschechien, die hängen teilweise an unseren Leitungen, und wir in Bayern umgekehrt lose an den italienischen.“ Was immer in Deutschland entschieden werde, müsse mit den Nachbarn abgestimmt werden. Darüber hinaus forderten die Verbände eine drastische Verkürzung der Planungs- und Genehmigungsverfahren für Infrastruktur, Gebäude und technische Anlagen auf wenige Monate. Die bisherigen Verfahren dauerten mehrere Jahre oder gar Jahrzehnte. „Ambitionierte Ziele des Klimaschutzes oder der Digitalisierung bleiben so unerreichbar.“