München – Die Zinswende und der Einbruch an den Aktienmärkten zehren am Gewinn des Rückversicherers Munich Re: Wie der Konzern gestern mitteilte, lag der Überschuss im zweiten Quartal bei 768 Millionen Euro – im entsprechenden Vorjahreszeitraum wies der Konzern noch 1,1 Milliarden Euro aus. Munich-Re-Chef Joachim Wenning sprach dennoch von einem „soliden Quartalsergebnis“, trotz heftigen Gegenwinds aufgrund von Inflation, einer Abkühlung der Wirtschaft und des Kriegs in der Ukraine.
Rückversicherer halten naturgemäß große Kapitalanlagen, um die versicherten Risiken abzufedern. Bei der Munich Re beläuft sich der Bestand auf kaum vorstellbare 223 Milliarden Euro. Kommt es zu Turbulenzen an den Aktienmärkten, hinterlässt das Spuren in der Bilanz. Auch die höhere Zinsen bringen der Munich Re zunächst einmal wenig. Das klingt paradox, da Rückversicherer auch große Bestände an festverzinslichen Anleihen halten und eigentlich von höheren Zinsen profitieren müssten.
Da die Munich Re aber auch Derivate auf festverzinsliche Papiere hält, wies sie im zweiten Quartal in diesem Bereich hohe Verluste aus. Insgesamt schrumpfte der Gewinn aus Kapitalanlagen auf 971 Millionen Euro nach 1,9 Milliarden Euro im Vorjahresquartal. Das ist aber nur eine Momentaufnahme: „Der Zinsanstieg wird uns langfristig Rückenwind geben, indem wir von höheren laufenden Kapitalanlageerträgen profitieren“, betonte Wenning. Zusätzlicher Auftrieb kommt aus dem Kerngeschäft: Die Beitragseinnahmen in der Rück- und Erstversicherung legten im zweiten Quartal um 8,3 Prozent auf 15,9 Milliarden Euro zu, Großschäden waren verglichen mit dem langjährigen Durchschnitt gering.
Als teuerste Naturkatastrophe für die Munich Re erwies sich eine Dürre in Südamerika mit Schäden in Höhe von rund 130 Millionen Euro. Durch den Angriff Russlands auf die Ukraine dürften – gerechnet aufs gesamte erste Halbjahr – Schäden in Höhe von 200 Millionen Euro entstanden sein. Einen positiven Beitrag zum Konzernergebnis steuerte die Düsseldorfer Tochtergesellschaft Ergo bei. Der Gewinn des Versicherers lag zwischen April und Juni bei 160 Millionen Euro nach 155 Millionen im Vorjahresquartal. „Ergo läuft weiter wie ein Uhrwerk und erfüllt seine Ziele von Quartal zu Quartal“, sagte Wenning.
Auf Konzernebene hält Wenning an seinem Gewinnziel von 3,3 Milliarden Euro für das Jahr 2022 fest. Nach seiner Einschätzung überwiegen die positiven Effekte. sh