Nürnberg – Unternehmen und Verbraucher in Deutschland gehen nach Einschätzung von Volkswirten führender Wirtschaftseinrichtungen in Deutschland schweren Zeiten entgegen. „Mit Blick auf die vielen Unsicherheiten – ich denke, wir haben einen harten Winter vor uns“, sagte die Wirtschaftsweise Veronika Grimm. Katharina Utermöhl von der Allianz beschrieb die Situation noch drastischer: „Wir gehen fest von einer Rezession aus.“
Und diese werde nicht milde ausfallen. Die Chefvolkswirtin der staatliche KfW-Gruppe, Fritzi Köhler-Geib, sieht ebenfalls dunkle Wolken am Horizont: „Für die deutsche Wirtschaft kommt es derzeit dicke.“ Deutschland stehe „eine Art Bereinigung bevor“, sagte Utermöhl, eine grundsätzliche Neuausrichtung, die in ihrer Grundsätzlichkeit die Herausforderungen bei der Bewältigung früherer Krisen übertreffe. Dies werde sich auch in Firmenpleiten niederschlagen. „Es wird einige Unternehmen geben, die schaffen es einfach nicht mehr.“ Hauptproblem seien die hohen Preise, vor allem für Energie. Bei einer Inflationserwartung von bis zu zehn Prozent und galoppierenden Preisen etwa für Gas und Strom seien die Verbraucher zum Sparen gezwungen. Ausgaben für andere Anschaffungen müssten zurückgestellt werden. „Die zuletzt kräftig gestiegene Sparneigung zeigt, wie groß die Sorgenfalten bei den Verbrauchern sind. Der sich abzeichnende Verlust an realer Kaufkraft – bedingt vor allem durch die hohen Energiepreise – dürfte der schärfste Gegenwind sein“, sagte Marc Schattenberg, Volkswirt und Arbeitsmarktexperte bei Deutsche Bank Research. Christoph Siebecke von der Oldenburgischen Landesbank sieht die Situation etwas günstiger. Er erwartet keine schwere Rezession in Deutschland. „Was hilft: Die Lieferketten sind nicht mehr so stark gestört, wie wir das schon einmal gesehen haben. Auch der Preis fürs Rohöl ist ein Stück von dem entfernt, was wir schon einmal hatten“, betonte er. „Die deutsche Wirtschaft ist sehr kompetitiv und anpassungsfähig. Sie hat sich im ersten Halbjahr besser geschlagen als gedacht. Im zweiten Halbjahr wird es allerdings ungemütlicher“, prophezeit er. dpa