Arbeitgeber: „Forderungen der IG Metall sind überzogen“

von Redaktion

München – Die bayerischen Metall- und Elektroarbeitgeber (M+E) stemmen sich vor der anstehenden Tarifrunde gegen Lohnforderungen der Gewerkschaft: „Die Forderungen der IG Metall Bayern sind überzogen und realitätsfern“, sagte Bertram Brossardt, Hauptgeschäftsführer des Arbeitgeberverbandes vbm gestern in München.

Die Arbeitnehmervertreter fordern angesichts der hohen Inflation acht Prozent mehr Lohn bei einer Laufzeit von einem Jahr – Brossardt forderte Balance: „Wir können nur das verteilen, was wir haben.“ Um seiner Aussage Nachdruck zu verleihen, zählte er die Ergebnisse einer Umfrage unter den Mitgliedsunternehmen auf: „Jedes sechste Unternehmen fühlt sich bedroht, fast alle Lieferungen kommen zu spät, die Hälfte davon unvollständig.“ Denn die Auftragsbücher seien zwar voll, doch „Auftrag und Abwicklung passen so schlecht zusammen wie seit über 20 Jahren nicht“. Die Folge: „80 Prozent der Unternehmen erwarten sinkende Gewinne.“ Angesichts der aktuellen Energie-Krise könne außerdem niemand sagen, wie sich die Lage entwickele. „Sollte es zu einer Gasmangellage kommen, droht 22 Prozent der M+E-Betriebe ein Produktionsstopp“, warnte der Arbeitgeber-Vertreter. Er rechnet erst Mitte 2024 mit einer wirklichen Erholung der Lage. Um die Arbeitsplätze zu sichern, fordert Brossardt Mäßigung: „Einen solchen Krisencocktail hat es in meiner ganzen Zeit hier nicht gegeben. Alle Seiten werden sich zurückhalten müssen.“ Um auf den Markt reagieren zu können, will Brossardt die Tarifgehälter an die Produktivität knüpfen. Außerdem müsse der Vielseitigkeit der Branche Rechnung getragen werden: „Wir wollen nicht, dass kleinere Firmen aus dem Flächentarifvertrag gedrängt werden. Deshalb brauchen wir elastische Lösungen.“ In anderen Branchen wurde ein Abschluss durch Sonderzahlungen aufgeschoben – das will Brossardt nicht: „Es ist die Aufgabe der Tarifpartner, Planungssicherheit für beide Seiten zu schaffen“, so Brossardt. Man müsse jetzt eine Verhandlungslösung finden.

Die Tarifrunde steht auch im Zeichen eines zunehmenden Fachkräftemangels. Brossardt glaubt, dass die Anreize dennoch groß genug sind: „Die Attraktivität der Arbeitsplätze und der Produkte ist hoch. Außerdem sind die Tarifentgelte seit 2018 um 9,3 Prozent gestiegen.“ Beschäftigte bekämen dieses Jahr im Schnitt 65 280 Euro.

Johann Horn, Bezirksleiter IG Metall Bayern, unterstreicht dagegen die Belastung der Inflation für Arbeitnehmer: „Nach zwei Tarifrunden ohne Tabellenerhöhung erwarten sie jetzt von den Arbeitgebern eine deutliche prozentuale Entgeltsteigerung. Im Gegensatz zu den Menschen können die meisten Unternehmen die gestiegenen Preise weitergeben.“ Das bewiesen die deutlich gestiegenen Erzeugerpreise in der Metall- und Elektroindustrie. MATTHIAS SCHNEIDER

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