München/Wiesbaden – Wer in den letzten Tagen aus dem Sommerurlaub zurückgekommen ist, musste den Schock an der Tankstelle wohl erst einmal verdauen: Nach Ende des Tankrabatts im September kostet Sprit in Deutschland wieder deutlich über zwei Euro. Das ist mehr als bei allen direkten Nachbarn in der EU, wie das Statistische Bundesamt am Montag in Wiesbaden mitteilte.
Laut den Statistikern kostete ein Liter Benzin zum Stichtag (5. September) hierzulande im Schnitt 2,07 Euro. Das waren gut 30 Cent mehr als in Italien und Österreich, über 40 Cent mehr als in Frankreich und Tschechien und fast 70 Cent mehr als in Polen. Im günstigsten EU-Staat Ungarn kostete der Liter Super sogar fast 80 Cent weniger. Nahe am deutschen Niveau sind mit mehr als zwei Euro hingegen nur Dänemark und die Niederlande. Bei Diesel ist das Bild ähnlich. Hier ist Deutschland in der EU anders als bei Benzin zwar nicht absoluter Spitzenreiter, weil der Liter in Schweden mit 2,30 Euro noch etwas teurer ist. Verglichen mit direkten Nachbarn wie Italien, Österreich, Frankreich, Tschechien oder Polen ist der Preis hierzulande aber zehn bis 55 Cent höher (siehe Tabelle).
Doch weshalb müssen deutsche Autofahrer an der Tankstelle im Moment am meisten bluten? Zum einen liegt das daran, dass deutsche Verbraucher gerade selbst ohne Steuern und Abgaben mit großem Abstand den höchsten Spritpreis in der EU bezahlen. So kostete ein abgabenfreier Liter Benzin laut Daten der EU-Kommission in der ersten Septemberwoche hierzulande im Schnitt 1,37 Euro, in Dänemark, den Niederlanden und Österreich war es je rund ein Euro, in Polen nur 77 Cent. Deutschland scheint zuletzt also zu deutlich schlechteren Konditionen eingekauft zu haben als alle anderen EU-Staaten. Tendenziell zahlen deutsche Verbraucher immer eher hohe Preise, diese enorme Diskrepanz ist aber ungewöhnlich.
Zum anderen rabattieren viele Nachbarn Sprit weiter. Auch in Deutschland waren die Steuern auf Kraftstoffe zwischen Juni und August gesenkt, weshalb Bundesbürger beim Liter Super 35 Cent und beim Liter Diesel fast 17 Cent sparten. Dieser Tankrabatt lief aber Ende August aus. In anderen EU-Ländern sind preissenkende Maßnahmen dagegen weiter in Kraft. Italien hat seinen Tankrabatt von 30 Cent pro Liter gerade bis Oktober verlängert und Frankreich hat den Nachlass am ersten September sogar von 18 auf 30 Cent erhöht, erst ab November soll er wieder gesenkt werden und zum Jahreswechsel dann wegfallen. Tschechien hat die Verbrauchssteuer auf Sprit nach wie vor um umgerechnet sechs Cent reduziert, Polen hat seine Mehrwertsteuer von 23 auf acht Prozent zusammengestrichen und die Niederlande haben bis Ende Dezember ebenfalls durch eine Mehrwertsteuerreduktion Benzin um 17 und Diesel um elf Cent vergünstigt. Und in Luxemburg lief der Tanknachlass von 7,5 Cent zwar wie in Deutschland Ende August aus – die Preise blieben trotzdem ziemlich stabil.
Spitzenreiter bei den Rabatten ist in der EU übrigens Ungarn. Hier ist der Benzinpreis schon seit Herbst 2021 bei 1,30 Euro gedeckelt. Weil das so ist, tanken die Ungarn hemmungslos – im ersten Halbjahr rund 20 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum. Es gab dort auch schon Lieferengpässe an Tankstellen. Um Tanktourismus zu unterbinden, erhalten deshalb nur noch Kunden mit ungarischem Kennzeichen den Nachlass. Und auch die Ungarn selbst dürfen an vielen Tankstellen des Landes nur noch 50 Liter rabattierten Sprit pro Tag zapfen.