EC-Karten bald im Ausland unbrauchbar?

von Redaktion

VON ANDREAS HÖSS

München – Dass deutsche Bankkunden bisher in Europa fast überall mit ihrer EC-Karte genannten Girokarte bezahlen und Geld abheben können, liegt an zwei US-Kreditkartenfirmen: Mastercard und Visa. Sie machen mit Maestro und V-Pay möglich, dass deutsche Girokarten im Ausland funktionieren. Mastercard stellt nun Maestro, das bei 90 Prozent der Girokarten eingesetzt wird, ab 2023 ein. Und laut Bankexperten könnte auch V-Pay von Visa, das ohnehin eher ein Nischenangebot ist, bald Geschichte sein. Können Deutsche ihre Bankkarten bald nicht mehr im Ausland nutzen? Und steht die Girokarte damit komplett vor dem Aus? Die wichtigsten Fragen und Antworten.

Wie lange funktioniert die Girocard noch im Ausland?

Girokarten sind ein rein deutsches Zahlungssystem, das historisch gewachsen ist. Lediglich die Kooperation mit Maestro oder V-Pay macht Zahlungen und Bargeldabhebungen mit Girokarten im Ausland möglich. Vom Maestro-Aus betroffen ist der Löwenanteil der etwa 100 Millionen deutschen Girokarten, allein 42 Millionen davon gehören Kunden der Sparkassen, viele weitere Kunden der Volks- und Raiffeisenbanken. Ab Juli 2023 dürfen die deutschen Banken keine neuen Girokarten mit Maestro-Funktion mehr herausgeben. „Solange sie noch gültig sind, funktionieren die vorhandenen Karten aber weiter im Ausland“, sagt Christian Löfflmann vom Sparkassenverband Bayern. Spätestens 2028 ist mit dem Auslaufen der letzten Girokarten mit Maestro-Funktion aber Ende.

Was kommt statt der Maestro-Funktion?

Das ist von Bank zu Bank unterschiedlich. Die Direktbanken DKB und ING stellen schon heute keine Girokarte zum Konto mehr bereit, sondern nur noch eine Debitkarte von Visa. Wer trotzdem noch eine Girokarte möchte, muss sie bei der DKB beispielsweise für 99 Cent im Monat ordern. Debitkarten werden weltweit und auch im Internet akzeptiert, Zahlungen werden anders als bei der Kreditkarte trotzdem sofort abgebucht. Einen anderen Weg gehen die Sparkassen sowie die Volks- und Raiffeisenbanken. Sie bieten ihren Kunden auch nach 2023 weiter Girokarten an, die aber über ein sogenanntes „Co-Badging“ gleichzeitig die Funktion einer Debitkarte besitzen. Dadurch hat man zwei Karten in einer, also eine Girokarte für Zahlungen in Deutschland sowie eine Debitkarte von Mastercard oder Visa für Transaktionen im Ausland und im Internet. Durch sie werden die auslaufenden Maestro-Karten automatisch Schritt für Schritt ersetzt, allein bei Bayerns Sparkassen werden im kommenden Jahr so rund 1,5 Millionen Karten getauscht. Ähnlich ist es bei den Raiffeisenbanken. „Im täglichen Gebrauch ändert sich für Kunden also nichts“, sagt Steffen Steudel, Sprecher des Bundesverbands der Volks- und Raiffeisenbanken. Kunden würden sogar Zusatzfunktionen wie die Möglichkeit zu Zahlungen im Internet bekommen, ergänzt Christian Löfflmann von der Sparkasse.

Wie begründet Mastercard das Maestro-Ende?

Mastercard argumentiert genau mit diesen Transaktionen bei Internethändlern: Dass man mit dem alten Maestro-System im Onlineshopping so gut wie nicht bezahlen kann, sei einfach nicht mehr zeitgemäß. Dennoch dürfte es zwei weitere Gründe für das Maestro-Aus geben: Steigen die 400 Millionen Maestro-Kunden auf das normale Mastercardsystem um, spart sich der Anbieter Kosten und erhöht somit wohl auch seinen Marktanteil. Schließlich werden einige Kunden ihre Girocard gleich ganz in eine Debit- oder Kreditkarte tauschen.

Wird es für Kunden damit in Zukunft teurer?

Für das neue System mit mehr Funktionen verlange Mastercard auch höhere Gebühren, bestätigten Bankenkreise gegenüber unserer Zeitung. Die Mehrkosten dürften auch an die Kunden weitergegeben werden – etwa in Form höherer Kontogebühren oder Zusatzkosten für die Karte. Zudem könnten Händler künftig höhere Kosten für Kartenzahlungen hinlegen müssen, so Bankenprofessor Jürgen Moormann von der Frankfurt School of Finance gegenüber der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“. Das Maestro-Aus schwäche nämlich das Girosystem und erhöhe die Marktmacht von Mastercard und Visa. Und die beiden US-Anbieter könnten das nutzen, um die Preise für Transaktionen zu steigern.

Steht das Girosystem damit ganz vor dem Ende?

„Für Zahlungen in Deutschland sicher nicht“, sagt Christian Löfflmann vom Sparkassenverband. „Girokarten sind in Deutschland viel zu etabliert.“ Allein im ersten Halbjahr 2022 wurden in Deutschland über drei Milliarden Zahlungen mit Girokarten abgewickelt, akzeptiert werden die Karten an über einer Million Stellen – und rund 250 000 Stellen akzeptieren nur Girokarten und keine Debit- oder Kreditkarten, darunter vor allem kleine Einzelhändler wie Bäcker oder Metzger. Denn bei Transaktionen im Girosystem fallen laut dem Dienstleister „Bezahlexperten“ für Händler nur 0,25 Prozent Gebühr an, Kreditkarten sind mit zwischen ein und zwei Prozent Gebühr viel teurer.

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