Berlin/München – Die Bahn baut ihr Angebot im kommenden Jahr erneut kräftig aus. Möglich macht dies unter anderem die Schnellfahrstrecke zwischen Wendlingen und Ulm, die im Dezember eingeweiht wird. Sie ist Teil des Großprojekts Stuttgart 21. Mit dem Betrieb des neuen Abschnitts verkürzt sich die Fahrzeit zwischen Stuttgart und München um eine Viertelstunde. Außerdem fahren täglich 90 Züge, 20 mehr als bisher. Auch Fahrgäste aus Nordrhein-Westfalen profitieren von der Trasse. Die bereits bestehende Linie von Dortmund über Köln und Mannheim wird dann über Ulm und Augsburg nach München weitergeführt. Mit einer Fahrzeit von 4:15 Stunden macht das Angebot dem innerdeutschen Luftverkehr noch mehr Konkurrenz. Sie verkürzt sich ebenfalls um eine Viertelstunde.
„Mit dem neuen Fahrplan gehen wir den nächsten Schritt auf dem Weg zum Deutschlandtakt“, sagt der für den Personenverkehr zuständige Bahnvorstand Michael Peterson. Zwischen Köln und München wird es im Halbstundentakt Fahrten geben, wie bisher nur zwischen Hamburg und Berlin. Auch werden die Verbindungen zum Frankfurter Flughafen ausgebaut. So verlängert die Bahn die Linie von Basel nach Dortmund weiter bis nach Hamburg. „Damit gelangen auch Reisende aus Münster, Osnabrück und Bremen noch häufiger umsteigefrei zum Frankfurter Flughafen“, erklärt das Unternehmen. Ausgebaut wird auch der Zubringerdienst aus Bayern für den Airport. Die Zahl der Sitzplätze soll hier um 60 Prozent erhöht werden. Verbessert wird von München aus auch das Angebot in Richtung Osten und Süden: So werden am Wochenende einzelne ICEs und Eurocitys über Rosenheim bis nach Innsbruck verlängert beziehungsweise starten bereits dort. Im Winter gibt es zudem samstags eine bis St. Anton verlängerte Verbindung ins Skigebiet. Auch Augsburg wird aufgewertet – und bekommt Nachtzugstarts. Wichtig für Passau: Der frühmorgendliche ICE nach Nürnberg beziehungsweise der spätabendliche nach Passau fahren künftig täglich.
Die Erweiterung der Kapazitäten ermöglichen auch neue ICE-Züge, die nun eingesetzt werden können. Ab dem Fahrplanwechsel am 11. Dezember rollt erstmals der neue ICE 3neo auf den Gleisen zwischen Dortmund, Köln und München. „2023 bekommen wir mit 37 Zügen so viele neue ICE wie noch nie zuvor“, verspricht Peterson. Allein dadurch steige die Kapazität im Fernverkehr um 19 000 Plätze. Auf der stark frequentierten Strecke zwischen Hamburg und Basel kommen dann neue XXL–ICE zum Einsatz. Sie haben 13 Wagen, sind 374 Meter lang und bieten 918 Sitzplätze.
Auch der grenzüberschreitende Verkehr bekommt Zuwachs. Zwischen Stuttgart und Zürich wird eine zusätzliche Direktfahrt am Tag angeboten. Gemeinsam mit der polnischen PKP fährt die Bahn ab dem kommenden März ebenfalls einmal mehr von Warschau nach Berlin. Nachts geht eine neue Linie an den Start. Der IC-Sitzwagen fährt von Zürich nach Berlin oder Prag. Angebunden werden Erfurt, Halle und Leipzig. Nach Venedig kommen Fahrgäste nicht mehr nur von München aus. Die Linie startet bald schon in Stuttgart. Der Ticketverkauf für den Winterfahrplan startet an diesem Mittwoch.
Weniger Ärger über Verspätungen oder Zugausfälle werden die Kunden aber wohl auch im kommenden Jahr nicht haben. 2023 laufen die Sanierungsarbeiten im Netz unvermindert weiter. „Aufgrund der Baustellen wird die Bahn das Angebot auf einigen Verbindungen anpassen müssen“, teilt das Unternehmen mit. Das gilt zum Beispiel für Fahrten zwischen Dresden und Berlin oder zwischen Kassel und Fulda. Auch 2024 wird es kaum besser. Dann startet die Generalsanierung der Riedbahn zwischen Frankfurt und Mannheim, die dafür monatelang gesperrt sein wird. Die Vorarbeiten dafür machen sich schon im kommenden Jahr durch zusätzliche Baustellen bemerkbar.
Mit dem Fahrplanwechsel im Dezember steigen auch die Fahrpreise der Bahn. Im Durchschnitt kosten die Tickets dann 4,9 Prozent mehr als bisher. Auch die Preise für reguläre Bahncards werden angehoben. Im Regionalverkehr auf der Schiene werden die Fahrscheine ebenfalls teurer. Hier haben die Anbieter eine Erhöhung um durchschnittlich vier Prozent vereinbart.
Alle halbe Stunden nach Köln
Direktverbindung nach Rosenheim
Viele zusätzliche Baustellen