Bonn/Altdorf – Seit dem Überfall Russlands auf die Ukraine sind sich Deutschlands Politiker einig: Um energetisch unabhängiger zu werden, müssen die erneuerbaren Energien ausgebaut werden – und zwar schnell. In der Realität ist davon bisher aber wenig zu sehen. Das zeigt eine Auktion der Bundesnetzagentur, bei der es für nicht einmal 60 Prozent der ausgeschriebenen Fördermenge an Windkraft Gebote gab.
Konkret waren knapp 1320 Megawatt Windkraft an Land zur Förderung ausgeschrieben, eingereicht wurden dagegen nur 87 Projekte mit zusammen 772 Megawatt, also lediglich 58 Prozent. Bei der Auktion können sich bereits genehmigte Anlagen auf eine Einspeiseförderung bewerben. Die schlechte Beteiligung lässt also indirekt Rückschlüsse zu, wie viele neue Anlagen in Planung sind. Besonders auffällig: Während Niedersachsen mit 30 und Schleswig-Holstein mit 20 Projekten bei der Auktion präsent war, war Bayern lediglich mit einem vertreten.
„Das ist schon ernüchternd“, sagt Erich Wust. Seine Firma Wust Wind & Sonne aus Markt Erlbach in der Nähe von Nürnberg war dieses einzige Windprojekt aus Bayern. Wust plant und entwickelt im Bürgermodell Windanlagen, rund 120 hat er in Bayern schon gebaut. Bei der Netzagentur hat er sich nun mit einem Bürgerwindrad in der fränkischen Gemeinde Altdorf beworben. Dort stehen schon zwei ähnliche Anlagen, die rund 180 Bürgern der Gemeinde gehören. Proteste oder Gegenwind im Gemeinderat habe es nicht gegeben, beteuert Wust. „Man muss die Menschen vor Ort mit ins Boot holen“, sagt er. „Das geht am besten, indem sie an den Windrädern mitverdienen. Dann freuen sie sich später auch über das Surren der Rotoren, statt sich darüber zu ärgern.“
Zu den Bremsfaktoren gehören im Moment die stark gestiegenen Bau- und Rohstoffpreise. „Die Corona-Pandemie und der russische Angriff auf die Ukraine haben zu massiven Preis- und Zinssteigerungen geführt“, sagt Hermann Albers, Präsident des Bundesverband Windenergie in einer Stellungnahme zur Auktion. Angesichts dieser Kostenexplosion müsse auch die Förderung für die Projekte steigen, damit sie nicht unrentabel werden.
Erich Wust hält die Förderung aber gar nicht für den ausschlaggebenden Grund, dass so wenige neue Windräder errichtet werden. „Wir kommen mit den Beträgen aus“, berichtet der Franke. Gravierender sei ein anderes Problem, nämlich die langwierigen Genehmigungsverfahren. „Wir planen für jedes Windrad allein von der Idee bis zur Genehmigung etwa drei Jahre ein, schon dafür muss aber alles optimal laufen.“ Doch das tue es oft nicht. Egal ob Artenschutz, Baugenehmigung, Abstände oder Ausgleichsflächen: Die Behörden seien oft pingelig, würden sich in Details verbeißen und die Genehmigungsverfahren im Extremfall viele Jahre in die Länge ziehen.
Dass es auch anders geht, zeigen die beiden Windräder, die in der Nähe des neuen Projektes in Altdorf schon stehen. Dort seien die Lokalpolitik und die Behörden engagiert, die Genehmigungen hätten nur fünf Monate gedauert. „Das ist Champions League“, sagt Wust. Er glaubt: Würde es immer so schnell und unkompliziert gehen, würden in Bayern auch mehr Windräder stehen.