Gas: Sparen zeigt erste Wirkung

von Redaktion

VON WOLF VON DEWITZ UND CHRISTOPH DERNBACH

Bonn/Berlin – Die Menschen und die Industrie in Deutschland haben bereits ordentlich Gas eingespart, nach Ansicht von Wissenschaftlern muss der Verbrauch aber stärker runter als bisher angepeilt. Die Bundesnetzagentur veröffentlichte Daten, denen zufolge der Gasverbrauch in der vergangenen Woche im Vergleich zu den gleichen Kalenderwochen der Jahre 2018 bis 2021 um 27 Prozent gesunken ist – auf 1759 Gigawattstunden pro Tag.

Dieser Wert bezieht sich auf den kompletten Gasverbrauch, also inklusive der Industriekonzerne. Blickt man nur auf den Verbrauch der Haushalte und kleineren Firmen, so liegt das Minus sogar bei 31 Prozent auf 608 Gigawattstunden pro Tag. Die Bundesnetzagentur hat als Ziel ausgegeben, 20 Prozent zu sparen. Eine Forschergruppe des Ariadne-Projekts ist allerdings der Ansicht, dass das nicht ausreicht – ein Minus von 30 Prozent seien nötig für die Versorgungssicherheit und für den Klimaschutz.

In der aktuellen Gaskrise sind die jüngsten Zahlen der Netzagentur eine gute Nachricht, zumal es schon eine Woche zuvor ein ähnlich hohes Verbrauchsminus gegeben hatte. Netzagentur-Chef Klaus Müller sprach von „ersten Einsparungen beim Gasverbrauch“, die man sehe. „Das ist ermutigend, so müssen wir weiter machen.“

Das „Weitermachen“ ist ihm wichtig: Er will tunlichst vermeiden, dass sich Verbraucher angesichts solcher Zahlen beruhigt zurücklehnen und in ihren Sparanstrengungen nachlassen. Denn klar ist: Die kalte Jahreszeit kommt erst noch. Außerdem ist die positive Entwicklung nur teilweise auf Sparanstrengungen von Firmen und Verbrauchern zurückzuführen. Denn das warme Wetter spielte eine große Rolle.

Die Gefahr einer „Gasmangellage“ ist aber weiterhin gegeben: Wie aus einem Prognosepapier der Bundesnetzagentur hervorgeht, könnten die Speicher nach einem Kälteeinbruch Ende Februar so leer sein, dass die Mangellage ausgerufen werden muss. Dann bekäme die Wirtschaft weniger Gas zugeteilt – das wäre ein herber Rückschlag für den Wirtschaftsstandort Deutschland. Aus dem Papier der Netzagentur war aber auch leichter Optimismus herauszulesen. Denn die Fachleute hatten insgesamt vier Szenarien durchgerechnet, in drei von ihnen war das Ergebnis: Deutschland kommt gut durch den Winter. Nur im vierten Szenario – wenn es also richtig schlecht läuft – würden die Speicher nicht ausreichen.

Das Forscherteam des Kopernikus-Projekts Ariadne erklärte, durch 30 Prozent Einsparungen könne man eine Gasmangellage mit Lieferunterbrechungen vermeiden. „Wir können damit auch die Gaspreise und verbleibenden Importabhängigkeiten auf ein erträgliches Maß begrenzen.“

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