Kritik an geplantem Siemens-Aktionärstreffen

von Redaktion

München – Siemens hat seine Aktionäre für den 9. Februar zur Hauptversammlung eingeladen – doch Aktionärsvertreter und Fondsgesellschaften reagieren mit Kritik. Der Grund: Statt in der Münchner Olympiahalle sollen sich die Aktionäre im Februar zuhause vor dem Bildschirm versammeln. Der Vorstand der Siemens AG habe mit Zustimmung des Aufsichtsrats beschlossen, die Hauptversammlung erneut virtuell abzuhalten, teilte Siemens am Montag mit. Siemens-Chef Roland Busch ließ sich mit den Worten zitieren, er freue sich, „dass wir unseren nationalen und internationalen Aktionärinnen und Aktionären mit dem neuen virtuellen Format eine einfache Möglichkeit der aktiven Teilnahme an der Hauptversammlung bieten können“.

Bei Aktionärsvertretern hielt sich die Freude in Grenzen: „Ich möchte, dass Hauptversammlungen in Präsenz stattfinden“, sagte Daniela Bergdolt von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW). Eine Präsenzhauptversammlung sei ein „lebendiger Austausch“.

Da das Geschäftsjahr von Siemens regelmäßig Ende Oktober endet, zählt die Hauptversammlung des Münchner Technologiekonzerns traditionell zu den ersten in der neuen Saision. „Siemens ist immer das Unternehmen, das im neuen Jahr den Ton angibt und bei den Hauptversammlungen die Richtung vorweist“, sagte Bergdolt. Sie äußerte die Befürchtung, dass andere Dax- und MDax-Konzerne dem Beispiel von Siemens folgen könnten und nun ebenfalls lediglich virtuell tagen.

Ingo Speich von Deka Investment sagte: „Beim virtuellen Format besteht immer die Gefahr, dass sich die Unternehmensführung in den Elfenbeinturm begibt und sich von den Aktionären entfernt.“ Für die Unternehmen sei das bequem. „Für Kleinanleger ist die Hauptversammlung aber die einzige Möglichkeit im Jahr, physisch mit Vorstand und Aufsichtsrat in Austausch zu treten.“ Als positives Beispiel hob Speich die Telekom hervor, sie war 2022 als einziger Dax-Konzern ins Präsenzformat zurückgekehrt. SEBASTIAN HÖLZLE

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