München – Stellplätze sind oft digital überwacht: Wer eine Zeitspanne überschreitet, muss zahlen. Damit beauftragt ist vielfach das Start-up Parkdepot. Einer der Gründer erklärt, warum Fremdparker auch nachts problematisch sind und was die GmbH so erfolgreich macht – obwohl die Branche wenig „trendy“ sei.
Es ist April 2019, als vier junge Männer bei einem Baumarkt im Münchner Norden anklopfen. Ob er Probleme mit Parkplätzen habe, wollen sie vom Marktleiter wissen. Hat er. Das Parkhaus steht leer, während sich Kunden direkt vor dem Eingang um Stellplätze streiten. Jakob Bodenmüller, sein Bruder Moritz und ihre Freunde Bastian Pieper und Yukio Iwamoto wollen helfen. „Erst das Problem suchen, dann ein Produkt entwickeln“, sagt Bodenmüller. Ein paar Wochen später steht auf dem Parkplatz ein Holzmast mit einer provisorischen Kamera. Mit einem Laptop messen die jungen Männer die Parkdauer einzelner Fahrer und fragen bei der Zulassungsstelle die Halter der Autos ab, die zu lange geparkt hatten.
Dreieinhalb Jahre später ist aus der Idee – aus einem Projekt der Technischen Universität München entstanden – ein millionenschweres Start-up gewachsen. Die Parkdepot GmbH an der St.-Martin-Straße beschäftigt über 200 Mitarbeiter und bewirtschaftet rund 1000 Parkflächen in sechs europäischen Ländern – mit einem digitalen System. Pro Monat kommen 50 bis 60 Parkplätze dazu, sagt Bodenmüller. In Oberbayern sind es bisher rund 100 Flächen.
Kunden jedes sechsten Standorts einer namhaften Fast-Food-Kette in Deutschland, jeder dritten Filiale einer Tiroler Supermarktkette und zahlreicher weiterer Läden kennen es bereits.
Bei der Ein- und Ausfahrt erfasst eine Kamera Kennzeichen. Parkt ein Auto länger als die ausgeschilderte Zeitspanne, gibt’s nach der Halterabfrage einen Strafzettel. „Ohne Schranken mit hohen Instandhaltungskosten, ohne Rückstaus und ohne Tickets, die schnell verloren gehen“, sagt Marketing-Managerin Tamara Oertel. Doch nicht alle sehen das Angebot positiv. Während sich manche über freie Parkplätze freuen, sprechen andere von „Abzocke“.
Bodenmüller kennt dieses Problem. Auch er sagt, Parkplätze seien nicht „trendy“. Aber: „Unser Produkt funktioniert nur, wenn auch der Autofahrer glücklich ist.“ Parkdepot schaffe Fairness, betont der 29-Jährige. „Wir stellen im Auftrag unserer Kunden klare Regeln auf und reduzieren damit die Zahl der Fremdparker um etwa 60 bis 70 Prozent.“ Die Frequenz auf Parkflächen wird um bis zu zehn Prozent erhöht, sagt Oertel. Etwa 0,3 Prozent der Parker würden Einzelhändler vor Probleme stellen – sie müssen eine Vertragsstrafe zahlen, die die Bewirtschaftung finanziert. „Deren stark überzogene Parkzeit – manchmal über Tage hinweg – nimmt Parkraum weg, der tatsächlichen Kunden zur Verfügung stehen sollte“, erklärt Oertel. Von 1200 Autofahrern, die im Schnitt pro Tag eine Parkfläche in Oberbayern nutzen, halten sich aber rechnerisch rund 1164 an die Zeitgrenze.
Der unbezahlte Parkraum ist eine von drei Lösungen, die Parkdepot bietet. „Der Hauptkundenstamm sind Lebensmittelketten“, erklärt Oertel. In Ballungszentren wie Großstädten oder touristisch geprägten Orten, in denen Parkraum knapp ist, würden Autofahrer gerne auf Supermarktparkplätze ausweichen und echten Kunden den Platz wegnehmen.
Beim bezahlten Parkraum bietet Parkdepot als zweite Variante auch Kassenautomaten, in die Nutzer ihr Kennzeichen eintippen. Auch Google- und Apple Pay mit QR-Code sind angeschlossen. Und: „Wir erheben datenschutzkonform Informationen über die Auslastung der Flächen“, sagt Oertel. Wenn der Betreiber nach Reduktion der Fremdparker freie Plätze hat, könne er diese langfristig über Parkdepot vermieten – die dritte Variante. Die Marketing-Managerin sagt: „Für viele ist das unverständlich – aber Supermarkt-Parkplätze sind eben Privatgrund.“
Bodenmüller und die drei Mitgründer haben dieses Problem 2019 erkannt. „Das ist ein riesiger Markt, in den die großen Tech-Player wie Google oder Amazon nicht reingehen“, sagt der studierte Betriebswirt und Informatiker. Das Unternehmen hat sich mit der Zeit professionalisiert. „Bei einem unserer ersten Kunden haben wir beispielsweise ein Loch im Gras vor einer Filiale ausgehoben und unseren Kamera-Mast aufgestellt“, erzählt der Geschäftsführer. Kurz darauf bekamen die Gründer Post von der Stadt – die Wiese gehörte gar nicht dem Kunden. „Wir sind mitten in der Nacht mit einem Transporter und Schaufeln hingefahren, haben den Mast abgebaut und Rasen verlegt“, erinnert sich Bodenmüller und lacht. „Mittlerweile haben wir Installationspläne, die wir vom Auftraggeber unterzeichnen lassen.“
Jeder Parkplatz sei für sich profitabel, was Investoren sehr schätzen. In zwei Finanzierungsrunden bekam Parkdepot gut fünf Millionen Euro – „für unser Wachstum“, sagt der Gründer. Das von Parkdepot formulierte Ziel, „die führende Lösung für schranken- und ticketloses Parkraummanagement in Europa“ zu werden, wird nun mit weiteren 15 Millionen Euro gestützt. In Deutschland gebe es rund 500 000 Parkflächen abseits öffentlicher Straßen, in Europa rund drei Millionen, sagt Bodenmüller. „Wir sind noch ganz am Anfang und wollen uns jährlich verdoppeln.“