Berlin – Die hohe Inflation hat die Reallöhne so stark wie nie schrumpfen lassen: Das Wirtschafts- und Sozialwissenschaftliche Institut der Hans-Böckler-Stiftung erwartet für dieses Jahr einen Rückgang um 4,7 Prozent. Das sei „ein in der Bundesrepublik historisch hoher Wert“, erklärte der Leiter des WSI-Tarifarchivs, Thorsten Schulten.
Die tarifvertraglich vereinbarten Löhne stiegen 2022 laut WSI zwar im Schnitt um 2,7 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Doch die Verbraucherpreise stiegen mit voraussichtlich 7,8 Prozent viel stärker. Die Tarifpolitik könne auf eine solche Entwicklung „immer nur mit einer gewissen Zeitverzögerung reagieren“, erläuterte Schulten. So fanden 2022 aufgrund langfristig wirksamer Tarifverträge in vielen Branchen gar keine Tarifverhandlungen statt. In einigen Tarifbereichen konnten die Reallöhne aber auch gesichert werden, wie das WSI hervorhob: In mehreren klassischen Niedriglohnbranchen wie dem Bäckereihandwerk, dem Gastgewerbe, der Gebäudereinigung oder dem Bewachungsgewerbe schlug sich die Anhebung des Mindestlohns durch. apf