München – Der ADAC sorgt sich, dass Autofahren immer teurer wird. Und: Er kritisiert die deutschen Autohersteller für die massiv gestiegenen Neuwagenpreise. Laut Berechnungen des Automobilclubs kostet ein Neuwagen heute in Deutschland im Schnitt 53 820 Euro, fast elf Prozent mehr als vor einem Jahr. Besonders stark stiegen die Preise für Klein- und Kleinstwagen, die laut ADAC in fünf Jahren um 47,2 beziehungsweise 31,7 Prozent teurer geworden sind. „Es muss wieder mehr bezahlbare Modelle geben“, forderte Technikvorstand Karsten Schulze deshalb am Donnerstag bei der Jahres-Pressekonferenz des Autoclubs in München.
Die Schuld an der Kostenexplosion gibt der ADAC zum einen den deutschen Herstellern, die „auf kleine und günstige Modelle verzichtet haben, um stattdessen größere Premiummodelle anzubieten, bei denen die Marge höher ist“, sagte Schulze. VW hat zum Beispiel das Basismodell des bei Pendlern beliebten Golf mit Dreizylinder und 90 PS für 20 700 Euro gestrichen. Das günstigste Modell ist nun der Vierzylinder mit 130 PS für 29 560 Euro. Das sei bedenklich, so Schulze – auch, weil die Kunden auf günstige Autos aus Asien und China ausweichen würden.
Zum anderen treibt der Umstieg auf die E-Mobilität die Preise, weil Autos mit E-Antrieb deutlich teurer als solche mit Verbrenner sind. Den mit dem VW Golf vergleichbaren elektrischen ID.3 gibt es zum Beispiel erst ab 43 995 Euro. Dazu kommt, dass die Förderung für E-Autos nun reduziert wird. Statt wie bisher bis zu 6000 Euro erhalten Käufer ab 2023 vom Staat 4500 Euro und ab 2024 nur noch 3000 Euro „Bei den langen Lieferzeiten von teils einem Jahr und mehr wissen Kunden gar nicht, wie viel Förderung sie bekommen“, kritisiert der Club. Der Zuschuss müsse deshalb schon beim Kauf und nicht wie derzeit erst bei der Auslieferung zugesagt werden.
Neben den hohen Kaufpreisen würden auch die gestiegenen Betriebskosten für Autofahrer immer mehr zum Problem. So machen höhere Strompreise Umsteigern auf E-Autos finanziell zu schaffen. Die Strompreisbremse greift aber nicht, wenn Kunden ihre Autos erst geliefert bekommen, weil sie auf Basis des Verbrauchs im Vorjahr kalkuliert wird. Der Autoclub will deshalb, dass die Strompreisbremse auch dann gilt, wenn der Stromverbrauch durch ein neues E-Auto ansteigt. Für Besitzer von Autos mit Benzin- und Dieselmotor fordert er höhere Pendlerpauschalen, und das schon ab dem ersten Kilometer.
Für das laufende Jahr erwartet der ADAC Durchschnittspreise von etwa 1,85 Euro für einen Liter Benzin (E10) und etwa 1,95 Euro bei Diesel. Das liege um 35 beziehungsweise 60 Cent über den Vorjahreswerten und belaste besonders Pendler und Vielfahrer. Trotzdem habe der Autoverkehr 2022 um fünf Prozent zugenommen und werde 2024 wieder auf dem Niveau von vor der Pandemie liegen. Die Fahrgastzahlen im öffentlichen Nahverkehr dagegen würden noch 21 Prozent unter denen von 2019 liegen. „Das zeigt, dass hohe Spritpreise allein nicht reichen, um Menschen zum Umstieg zu bewegen“, sagte Verkehrspräsident Gerhard Hillebrand vom ADAC.
Um die Klimaziele im Verkehr zu erreichen, müssten aber mehr Menschen den öffentlichen Nahverkehr nutzen, mahnt der ADAC. Zumal das Ziel der Bundesregierung, 2030 mindestens 15 Millionen E-Autos auf die Straßen zu bringen, mit den aktuellen Hochlaufzahlen nicht zu erreichen sei. Sollten mehr Menschen das Auto stehen lassen, müsse der öffentliche Nahverkehr aber deutlich attraktiver werden. Hierfür seien mehr Investitionen in Bus und Bahn nötig, so Hillebrand. Auch die Ticket-Kosten müssten für Verbraucher langfristig planbarer sein. Das 49-Euro-Ticket soll zwei Jahre gelten, danach dürfte der Preis wieder steigen. „Wegen 48 Monaten verkauft aber niemand sein Auto“, gab Hillebrand zu bedenken.