Heizöl und Pellets deutlich günstiger

von Redaktion

VON MATTHIAS SCHNEIDER

Gute Versorgung und stabile Wetterprognosen halten die Preise für Gas und Strom aktuell stabil. Knapp unter der Preisgrenze kann sich ein Wechsel dennoch lohnen. Frohe Kunde gibt es derweil bei Heizöl und Pellets.

Gas

Der Großmarkt für Erdgas ist aktuell verhältnismäßig ruhig: Seit Mitte Januar kostet die Megawattstunde rund 60 Euro, jeweils mit kleineren Schwankungen. Das liegt vor allem an einem außergewöhnlich milden Januar, der auf den frostigen Dezember folgte. Hier kostete Gas in der Spitze gut 150 Euro.

Doch noch ist nichts in Stein gemeißelt, erklärt Timo Kern, Leiter Energiesysteme und Märkte an der Münchner Forschungsstelle für Energiewirtschaft (FfE): „Entscheidend für die Entwicklung bis April wird das Wetter sein, es gibt nach oben und nach unten Spiel.“ Extreme Preisausschläge wie im vergangenen Jahr hält Kern aber für weniger wahrscheinlich.

Bisher sind die Prognosen günstig: Der Deutsche Wetterdienst (DWD) ist sich sicher, dass bis zum Ende der Heizperiode im April eher durchschnittliche Temperaturen zu erwarten sind.

Das Wetter der kommenden Monate dürfte auch entscheiden, wie die Preise sich nach der Heizperiode entwickeln: „Ob die Gaspreise im Sommer weiter fallen, hängt maßgeblich davon ab, wie voll die Gasspeicher im April noch sind“, erklärt der FfE-Experte. Denn: „Je leerer die Speicher werden, desto mehr Gas muss zum Befüllen für den nächsten Winter gekauft werden – und desto stärker können die Preise wieder ansteigen.“

Denn ohne russisches Pipelinegas muss mehr Flüssiggas (LNG) auf dem Weltmarkt gekauft werden. Aktuell sind die Speicher mit 78 Prozent fast doppelt so voll wie vom Gesetz vorgeschrieben. Im Dezember hatten sie bei starken Kältewellen gut einen Prozentpunkt am Tag verloren.

Die Weltmarktrisiken gelten unter Experten derzeit als eher unkritisch. Timo Kern beruhigt: „Trotz der wirtschaftlichen Erholung in China erwarten Experten, dass der Gasbedarf dort nur moderat steigen wird. Da dies im Vergleich zum weltweiten Gasverbrauch nur marginale Veränderungen sind, sollte der Effekt auf die LNG-Preise eher gering sein.“

. Tipp für Verbraucher:

Neukundentarife sind seit gut zwei Wochen für durchschnittlich 11,9 Cent pro Kilowattstunde erhältlich, berichtet das Vergleichsportal Verivox. Damit liegen sie unter der Gaspreisbremse. Weil am Weltmarkt aktuell keine großen Veränderungen erwartet werden, ist das Wetter der bestimmende Faktor für die Gaspreise. Die Temperaturprognose des DWD lässt vermuten, dass die Preise stabil bleiben. Wer einen teuren Tarif hat, kann derzeit mit einem Wechsel viel sparen. Wer bereits günstig unterwegs ist, kann angesichts der hohen Speicherstände auf einen noch preiswerteren Sommer pokern. Hier bleibt ein Restrisiko durch den Weltmarkt.

Strom

„Beim Strom bleibt der Gaspreis mittelfristig der elementare Einflussfaktor“, erklärt FfE-Marktexperte Timo Kern. Dieser Faktor dürfte neben der Windkraftproduktion die Preise bis zum Sommer bestimmen. Für den Rest des Jahres gebe es aber auch andere Einflüsse, etwa wie gut der ambitionierte Ausbau der Erneuerbaren vorangehen oder wie es im Sommer um die Verfügbarkeit der französischen AKW stehe, glaubt Kern.

Jahreszeitliche Schwankungen seien dieses Jahr indes weniger bedeutsam als sonst: „Wegen des geringeren Strombedarfs und der größeren Photovoltaik-Leistung ist Strom im Sommer meist etwas günstiger als im Rest des Jahres. Der Effekt wird aber durch die Schwankung der Brennstoff- und CO2-Preise (und hier insbesondere durch den Gaspreis) überlagert.“

. Tipp für Verbraucher:

Mit durchschnittlich 37,6 Cent pro Kilowattstunde liegen die Stromtarife nach Verivox-Daten derzeit unter der Strompreisbremse. Ob sich ein Wechsel aktuell lohnt, hängt auch stark vom eigenen Nutzungsverhalten ab: Wer etwa mit Strom Wärme erzeugt, kann in dieser Saison mit einem Wechsel noch einmal ordentlich sparen.

Heizöl

Während sich die Preise für Rohöl seit Mitte Januar nicht nennenswert bewegt haben, haben sich die Lieferketten für Heizöl entspannt, wie Oliver Klapschus, Sprecher des Informationsdienstes Heizöl24, erklärt: „Gasöl, die Basis für Heizöl, ist in den vergangenen Tagen deutlich günstiger geworden.“ Das liege vor allem daran, dass größere Raffineriekapazitäten frei seien und die Lieferketten – etwa auf Flüssen – wieder besser funktionierten. Laut Commerzbank-Rohstoffanalyst Carsten Fritsch sind die wichtigen niederländischen Gasöl-Lager so voll wie seit Juli 2021 nicht, auch in den USA würde der Markt gerade gut mit Lagerbeständen versorgt. Das kam auch bei den Heizölpreisen an: Sie fielen binnen einer Woche von 1,15 Cent pro Liter auf 1,02 Cent. In den kommenden Monaten kommen jedoch einige Risiken auf den Ölmarkt zu, so Carsten Fritsch: Ab dem 5. Februar gelte das EU-Ölembargo gegen Russland, gleichzeitig wolle der Förderverband Opec+ die Produktion nicht erhöhen. Experten beobachten außerdem mit Spannung die wirtschaftliche Erholung in China. Kurzum: Öl könnte in den kommenden Monaten wieder knapper und teurer werden.

.  Tipp für Verbraucher:

Die aktuelle Talfahrt beim Heizöl lädt zum Spekulieren ein. Weil der Trend aber schnell wieder drehen kann, sollten Verbraucher die Preise dabei gut im Blick behalten. Oliver Klapschus von Heizöl24: „Bei einem Literpreis von einem Euro sollte man darüber nachdenken, die Tanks vollzumachen.“

Pellets

Gute Nachrichten: Die Tonne Pellets ist aktuell wieder für durchschnittlich rund 382 Euro zu haben. Mitte Januar waren es noch gut 500.

.  Tipp für Verbraucher:

Oliver Klapschus, der auch für das Vergleichsportal Heizpellets24 spricht, sieht ein Kaufsignal: „Wir kommen zwar von 200 bis 250 Euro pro Tonne, wegen der gestiegenen Nachfrage werden wir dahin aber wahrscheinlich nicht zurückkommen.“

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