Silber und Platin für die Energiewende

von Redaktion

VON MARCO KREFTING

Pforzheim – Mit dem Ausbau der erneuerbaren Energien werden die Nachfrage nach Edelmetallen und in der Regel auch deren Preise nach Einschätzung der Branche steigen. Denn die Industrie brauche zum Beispiel Silber für die Herstellung von Solaranlagen, für Sensoren in Windturbinen und für die Elektromobilität, sagte York Tetzlaff, Geschäftsführer der Fachvereinigung Edelmetalle in Pforzheim.

Die Edelmetalle Platin und Iridium werden etwa bei der Produktion von Wasserstoff benötigt. Auch bei der Entwicklung von Katalysatoren für Wasserstoffautos würden diese verwendet, erklärte Tetzlaff. „Edelmetalle sind insgesamt Schlüsselprodukte für Innovationen und die Energiewende. Das gilt besonders für Silber und die sogenannten Platingruppenmetalle.“ Dazu zählen Platin, Palladium und Iridium.

Das liege daran, dass Edelmetalle korrosionsbeständig, elektrisch besonders leitfähig und widerstandsfähig gegen Säuren und Laugen sind. Silberpaste etwa wird laut der Fachvereinigung in 90 Prozent aller Photovoltaikzellen aus Silizium eingesetzt. Das seien die am häufigsten verwendeten Solarzellen. „Sonnenlicht, das auf diese Siliziumzellen trifft, erzeugt Elektronen, die vom Silberleiter gesammelt und zu elektrischem Strom gebündelt werden“, erläuterten die Experten dazu. Darüber hinaus wird Silber in Katalysatoren und bei elektrischen Kontakten eingesetzt.

Das Silver Institute, ein amerikanischer Industrieverband, hat schon 2018 eine Prognose veröffentlicht, wonach bis zum Jahr 2030 rund 45 000 Tonnen beziehungsweise 1,5 Milliarden Unzen Silber benötigt werden, um die erneuerbaren Energien voranzutreiben.

Anders als der Goldpreis, der vor allem durch die Nachfrage von professionellen Investoren wie Notenbanken beeinflusst wird, kommt es beim Silberpreis insbesondere auf die industrielle Entwicklung an, wie Tetzlaff sagte. Die Nachfrage in der Industrie sei deutlich höher als jene aus der Schmuck- und Uhrenbranche. „Wie sich Preise entwickeln, ist aber immer ein Blick in die Glaskugel.“ Das sei von vielen Faktoren abhängig und lasse sich seriös nicht vorhersagen.

Bei Platin gebe es einen Angebotsüberschuss, der wegen der Nachfrage für die Wasserstoffproduktion schrumpfen dürfte, ergänzte Tetzlaff. Hinzu kämen Austauscheffekte: Etwa im Automotive-Bereich werde Platin statt Palladium genutzt. Denn letzteres sei rund 50 Prozent teurer als Platin, obwohl der Preis zuletzt deutlich nachgegeben habe.

„Platin spielt insbesondere für Brennstoffzellen und die Wasserstoffelektrolyse – und damit für mögliche Schlüsseltechnologien der Energiewende wie Langzeitspeicher und Power-to-Gas – eine wichtige Rolle“, erläutert die Initiative „Energiesysteme der Zukunft“ (Esys) der Deutschen Akademie der Technikwissenschaften, der Nationalen Akademie der Wissenschaften Leopoldina und der Union der deutschen Akademien der Wissenschaften. Palladium wiederum werde in der Energiewende vor allem für Kondensatoren, Leiterplatten und ebenfalls für die Wasserstoffelektrolyse benötigt. „Power-to-Gas-Anlagen kommen ohne Palladium also nicht aus.“

Beide Metalle werden laut Esys als potenziell kritisch eingestuft, haben also eine hohe wirtschaftliche Bedeutung, sind schwer zu ersetzen und stammen aus eher unzuverlässigen Lieferländern. So ist Russland beispielsweise das größte Lieferland für Palladium. Mehr als 40 Prozent des Primärangebots stammten von dort, erläuterte Tetzlaff. „Aufgrund der Bedeutung für die europäische Industrie gibt es bislang auch keine Sanktionen.“ Anders als etwa beim Gold.

Die Deutsche Rohstoffagentur Dera sieht mit Blick auf die Produktion von Wasserstoff bei Iridium die größten Versorgungsrisiken. Das Edelmetall werde als Beiprodukt der Palladium- und Platinproduktion gewonnen, vor allem in Südafrika und Russland. Die Jahresförderung von Iridium liege im einstelligen Tonnenbereich, eine deutliche Erhöhung sei unwahrscheinlich. In der Vergangenheit hätten Preisexplosionen etwa nach Produktionsausfällen die Unsicherheit über die Versorgungslage gezeigt.

Die Initiative Esys warnt, dass immer weniger Akteure immer größere Rohstoffmengen kontrollierten. „Einzelne Länder und Unternehmen können ihre Marktmacht ausnutzen und den Zugang zu wichtigen Rohstoffen erschweren.“ Deutschland brauche eine langfristig angelegte Rohstoffpolitik, um offene und transparente Märkte sowie hohe Umwelt- und Sozialstandards zu fördern.

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