Berlin – Selbst Experten haben an diesem Referentenentwurf zu knabbern. „Echt furchtbar“ seien die Heizpläne, auf die sich die Bundesregierung am Mittwoch geeinigt hat, „schnell zusammengezimmert und schwer verständlich“, heißt es über das 173 Seiten dicke Papier. Sein Kern: Ab 2024 sollen alle neuen Heizungen mit mindestens 65 Prozent Erneuerbaren Energien betrieben werden. Dafür will die Ampel nicht nur neue Heizungen mit Öl und Gas verbieten, sondern auch das Heizen mit Holz und Pellets erschweren.
Um das 65-Prozent-Ziel zu erreichen, dürfe in Neubauten „keine Heizanlage mit Biomasse“, also mit Holz, Hackschnitzel oder Pellets, „eingebaut oder aufgestellt“ werden, heißt es im Gesetzesentwurf in Paragraph 71 Absatz 2. Auch Holz- oder Kachelöfen – im Fachjargon „dezentrale, handbeschickte Einzelraumfeuerungsanlagen“ genannt – sollen auf das 65-Prozent-Ziel nur geringfügig angerechnet werden. Soll heißen: Wer sie romantisch findet, darf sie weiter einbauen, als Hauptheizung werden solche Öfen aber nicht akzeptiert. „Die Zentralheizung mit Holz oder Pellets im Neubau wird damit faktisch verboten“, schimpft deshalb Alexander Radwan, Bundestagsabgeordneter der CSU.
Doch was ist mit bestehenden Immobilien? Immerhin werden laut Bund sechs Prozent aller deutschen Haushalte mit Pellets, Hackschnitzeln und Holz geheizt. „Hier gibt es Entwarnung, zumindest weitestgehend“, sagt Martin Bentele, Geschäftsführer des Deutschen Energieholz- und Pelletverbands DEPV). Wer schon eine Biomasseheizung hat, könne sie weiter uneingeschränkt nutzen. Gehe sie kaputt, könne auch erneut eine Pelletheizung eingebaut werden. Anders als bei Öl und Gas gibt es also keine strikte Umrüstungspflicht.
Das gilt allerdings nur, wenn man Zusatzmaßnahmen trifft. So fordert die Bundesregierung, dass Pellet- oder Holzheizungen dann mit einem Pufferspeicher, einem Staubfilter sowie Solarthermie oder einer Photovoltaikanlage kombiniert werden. Unter diesen Bedingungen soll man übrigens in Bestandsimmobilien auch seine alte Ölheizung gegen eine neue mit Biomasse austauschen können. Die Kombinationspflicht macht den Einbau jedoch teurer – sofern Puffer oder Solaranlage nicht bereits vorhanden sind.
Martin Bentele findet den Plan deshalb praxisfern und unsozial. Er mache das Heizen mit Holz „unnötig teuer und kompliziert“. Holz und Pellets nicht als Erneuerbare Energien anzuerkennen, sei absurd, so der DEPV-Chef. Die EU tue das nämlich sehr wohl, auch eine CO2-Steuer werde deshalb in Deutschland auf Pellets nicht fällig. Und der Bund fördere den Einbau von Pelletheizungen sogar weiterhin finanziell. Bentele fordert deshalb Korrekturen an den Heizplänen. „Ich bin überzeugt, dass die Bundesregierung noch einlenkt.“ Allein in Bayern könne man nämlich 1,1 Millionen Ölheizungen in alten Häusern, die kaum mit Wärmepumpen beheizt werden können, gegen neue Pelletheizungen tauschen. „Das wäre gut für die Umwelt und für den Geldbeutel der Hausbesitzer“, sagt Bentele.
Auch die Waldbesitzer laufen Sturm – kurioserweise mit Hilfe der FDP, die den Plan im Bund mitbeschlossen hat. In vielen Fällen dürfe ein Waldbesitzer Holz aus seinem eigenen Wald nicht mehr zur Beheizung seines eigenen Hauses verwenden, sagt Josef Ziegler, Präsident des Bayerischen Waldbesitzerverbandes. Das sei ein Schock für die 500 000 Waldbesitzer in Bayern – und helfe nicht einmal dem Klima. „In Zukunft entsteht das CO2 dann eben durch natürliche Verrottung im Wald.“