TÜV Süd: Wasserstoff als Zukunftsmarkt

von Redaktion

VON ANDREAS HÖSS

München – Beim TÜV denkt man eigentlich an die Hauptuntersuchung für das Auto. Doch mit der sogenannten HU macht der TÜV Süd nur noch etwa ein Viertel seines Umsatzes. Er prüft zum Beispiel auch große Industrieanlagen und Kraftwerke und ist immer auf der Suche nach neuen Geschäftsfeldern. Aktuell hat er Wasserstoff als große Chance ausgemacht.

„Wasserstoff ist ein zentraler Baustein der Energiewende, der aber in der öffentlichen Diskussion oft noch unterschätzt wird“, sagte Johannes Bussmann, der das Unternehmen seit Jahresbeginn leitet, auf der Bilanz-Pressekonferenz von TÜV Süd am Mittwoch in München. In diesem Geschäftsfeld begleite man immer mehr Unternehmen und entwickle zunehmend Prüfverfahren und Zertifizierungen. So hat der TÜV Süd einen Green Hydrogen Standard etabliert, mit dem man dokumentieren kann, dass Wasserstoff mit geringen CO2-Emissionen erzeugt wurde. Außerdem bietet er für Gas- und Dampfturbinenkraftwerke Zertifikate an, die belegen, dass sie bereit sind für den Umstieg auf Wasserstoff. Im Frühjahr 2022 hat das Münchner Unternehmen zudem in Garching ein neues Labor eröffnet, in dem beispielsweise im Autobau eingesetzte Materialien und Teile daraufhin untersucht werden können, ob sie wasserstoffverträglich sind. Auch dem neuen LNG-Terminal in Wilhelmshaven hat der TÜV attestiert, dass durch dessen Leitungen statt Flüssiggas künftig auch einmal Wasserstoff fließen kann.

Neben Wasserstoff sieht TÜV-Chef Bussmann auch andere nachhaltige Bereiche als sehr zukunftsträchtig. Seit 2022 habe das Unternehmen weltweit 17 neue Prüfzentren und Labore eröffnet, zwölf davon mit Schwerpunkt Batterien, die für die E-Mobilität wichtig sind. Und es hat Zertifizierungen für den CO2-Fußabdruck in der Produktion und der Lieferkette aufgelegt. Auch Künstliche Intelligenz, autonomes Fahren, Digitalisierung und Sicherheit im Internet sind für den TÜV Zukunftsthemen. Insgesamt hat der weltweit tätige Konzern im vergangenen Jahr 154 Millionen Euro in die Digitalisierung und neue Prüfinfrastruktur investiert. Außerdem will er bis 2025 selbst klimaneutral werden.

Dennoch bleibt die Begutachtung von Fahrzeugen weiter ein stabiles Standbein, betonte Bussmann bei der Vorlage der Bilanz. 2022 wurden im entsprechenden Firmenbereich 945 Millionen Euro Umsatz erzielt. Rund 80 Prozent davon stammen aus Hauptuntersuchungen, der Rest aus Schadensgutachten und ähnlichem. Mit Zertifizierungen wurden 974 Millionen Euro eingenommen und im Industriebereich 961 Millionen erwirtschaftet. Insgesamt stieg der Umsatz um 7,3 Prozent auf 2,9 Milliarden Euro. Der Gewinn lag bei 132,6 Millionen Euro – 13,4 Prozent weniger als im Rekordjahr 2021. „Angesichts der schwierigen Rahmenbedingungen sind wir damit dennoch zufrieden“, sagte Bussmann.

Derweil laufen wegen des verheerenden Dammbruchs im brasilianischen Brumadinho im Jahr 2019 mit mehr als 260 Toten noch Klagen gegen den TÜV Süd. Die Verfahren in München haben sich wegen Corona und dem Wirecard-Prozess immer wieder verzögert. Es seien aber keine weiteren dazugekommen, bestätigte Bussmann.

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