Berlin – Die Preise für Wohnimmobilien in Deutschland fallen nach Einschätzung der wichtigsten Finanzierer weiter. Im ersten Quartal verbilligten sich Wohnungen und Häuser im Schnitt um 2,1 Prozent gemessen am Vorjahreszeitraum, zeigt der gestern veröffentlichte Immobilienpreisindex des Verbands deutscher Pfandbriefbanken (vdp), der Immobilienfinanzierer wie Deutsche Bank, Commerzbank, Aareal Bank, Landesbanken und große Sparkassen vertritt.
Die Zahlen zeigen, dass der Preisverfall am Immobilienmarkt nach mehr als zehn Jahren Boom weitergeht. Sowohl selbst genutztes Wohneigentum als auch Mehrfamilienhäuser seien von dem Preisrückgang betroffen, hieß es in der Auswertung.
Der Verband erwarte auch für die nächsten Quartale fallende Preise, sagte vdp-Hauptgeschäftsführer Jens Tolckmitt. Zugleich bleibe der Druck auf die Neuvertragsmieten groß. „Nach wie vor besteht eine echte Knappheit an Wohnraum.“
In den sieben größten Städten Deutschlands war der Preisrückgang bei Wohnimmobilien im ersten Quartal geringer als im Bundesschnitt. In den Metropolen sanken die Preise um 1,4 Prozent zum Vorjahr. Einzig in Berlin verteuerten sich Wohnungen und Häuser im Jahresvergleich um 1,0 Prozent.
Am stärksten fielen die Immobilienpreise in Frankfurt mit minus 6,4 Prozent. Hamburg, Düsseldorf, Köln, Stuttgart und München lagen mit Rückgängen von 2,3 bis 3,8 Prozent auf Jahressicht dazwischen. Der Index des vdp beruht auf Daten zu Immobilientransaktionen von über 700 Banken. Als Hauptgrund für die fallenden Immobilienpreise gelten höhere Zinsen.
Eine Langzeitstudie des Instituts der Deutschen Wirtschaft (IW) zeigt aber auch: Insgesamt ist das Preisniveau in deutschen Großstädten hoch, der Druck auf das Umland steigt, Pendler nehmen immer weitere Wege in Kauf. Überall, wo man mit öffentlichen Verkehrsmitteln oder über die Autobahn gut in die Stadt kommt, boome das Umland, sagt IW-Ökonom Pekka Sagner. Das Wirtschaftsforschungsinstitut hat gemeinsam mit dem Allensbach-Institut im Auftrag der Sparda-Banken Daten und Einschätzungen zum Wohnen in Deutschland zusammengetragen.
Insgesamt sparen Verbraucher der Studie zufolge beim Erwerb eines Hauses oder einer Eigentumswohnung mehr als ein Drittel des Kaufpreises, wenn sie aufs Land statt in die Stadt ziehen. In den Städten liegt der durchschnittliche Preis bei 4180 Euro, auf dem Land bei 2806 Euro pro Quadratmeter. In den sieben Metropolen, also den größten Städten, zahle man im Mittel sogar 6038 Euro pro Quadratmeter. Insgesamt sind die Quadratmeterpreise in Städten, Metropolen und auf dem Land in den vergangenen zwei Jahren um durchschnittlich mehr als ein Fünftel gestiegen. Die Schere zwischen günstigen und teuren Regionen gehe immer weiter auf.
Alle der sieben Metropolen verlieren Bevölkerung im Alter von 30 bis 50 Jahren, vor allem Frankfurt, Stuttgart, München und Köln. Die Forscher schließen daraus, dass junge Familien eher ins Umland und aufs Land ziehen, wo Eigentum günstiger ist. Junge Leute unter 30 dagegen zieht es weiterhin in die Groß- und Universitätsstädte wie München und Berlin, aber auch Regensburg, Leipzig oder Erlangen.
Die Folge: Im Umland von sechs der sieben Metropolen sind die Preise seit 2017 stärker gestiegen als in der Großstadt selbst. Am stärksten ist das in Berlin und Hamburg zu sehen. Der Umzug von der Metropole ins Umland lohnt sich der Studie zufolge vor allem in Düsseldorf, Frankfurt und Hamburg, wo der Immobilienkauf im Speckgürtel noch 40 bis 45 Prozent günstiger ist als in der Stadt. Im Berliner und Kölner Umland spart man etwa ein Drittel. Rund um Stuttgart und München dagegen sind Häuser und Wohnungen inzwischen so teuer, dass man weniger als ein Fünftel spart.