Deshalb wird die Butter billiger

von Redaktion

VON ANDREAS HÖSS

München – Butter bei Aldi für 1,45 statt wie vor wenigen Monaten noch weit über zwei Euro, Gouda der Eigenmarke „Milbona“ bei Lidl für 2,99 statt wie zuletzt 3,49 und „Cambino“-Nudeln für 79 statt 99 Cent: Deutsche Discounter senken die Preise für Lebensmittel wieder, statt sie wie im vergangenen Jahr sonst üblich deutlich anzuheben. „Auch in den aktuell herausfordernden Zeiten können sich unsere Kunden auf den gewohnt günstigen Lidl-Preis verlassen“, klopft sich Lidl-Chef Christian Härtnagel selbst auf die Schulter. Da stellt sich die Frage: Ist das die Trendwende bei Lebensmittelpreisen?

So pauschal könne man das nicht sagen, glaubt Kai Hudetz, Geschäftsführer des Instituts für Handelsforschung in Köln. „Dass es seit ein paar Wochen überhaupt wieder einen Preiskampf samt Preisaktionen gibt, ist aktuell schon eine Trendwende“, glaubt er. Seit Beginn des Ukraine-Krieges hatten Lebensmittelpreise nämlich nur eine Richtung gekannt: aufwärts. „Angesichts des enormen Wettbewerbs versuchen die Discounter nun mit einzelnen Aktionen, weiter Marktanteile zu erobern“, erklärt er. Dass dabei nun ausgerechnet für Produkte wie Butter Kampfpreise ausgerufen würden, sei kein Zufall. Jeder wisse ungefähr, was ein Pfund Butter koste und dass es zuletzt besonders teuer war. „Reduzieren die Discounter Preise für so zentrale Warengruppen, wollen sie unterstreichen, dass es generell bei ihnen günstiger sei.“

Davon auszugehen, dass nun überall die Preise purzeln, sei aber falsch. „Die großen Preisexplosionen sind nun zwar größtenteils vorbei, zu starken Preisrückgängen auf breiter Front wird es abgesehen von kurzzeitigen Angeboten und Aktionen jedoch nicht kommen“, sagt der Forscher. Denn die Kosten für Dinge wie Energie und Transport seien weiter hoch und auch die Personalkosten steigen gerade spürbar. „Die meisten Produkte werden wohl nicht mehr so günstig werden wie vor der Krise“, befürchtet Hudetz.

Ein Preisverfall lässt sich auch aus den Zahlen des Statistischen Bundesamtes nicht herauslesen: Nudeln verteuerten sich seit April 2022 um 17 Prozent, Fischstäbchen sind um 37 Prozent teurer geworden, Mehl um 40 Prozent, Schnittkäse um 42 Prozent und Quark um 62 Prozent. Insgesamt lag die Teuerung bei Lebensmitteln im April bei 17 Prozent und damit weit höher als die allgemeine Inflationsrate von sieben Prozent. Nur Butter wurde trotz zwischenzeitlicher Höchstpreise kurioserweise um ganze 14 Prozent günstiger.

Dass sich die Discounter im Windschatten der Inflation die Taschen über Gebühr gefüllt haben, glaubt Hudetz übrigens nicht. „Sicher gab es vereinzelt Mitnahmeeffekte“, räumt er ein. Immerhin sind alle Discounter gewinnorientierte Konzerne. Gerade bei Lebensmitteln konnten die eher intransparenten Handelsriesen ihre Gewinnmargen halten oder gar ausbauen. Insgesamt dürften sich die Preissteigerungen aber schon wegen des starken Wettbewerbs um die Kunden meist halbwegs im Rahmen gehalten haben.

Doch das sehen nicht alle so. Österreichs Regierung kündigte gerade an, dass Lebensmittelketten wie Rewe, Aldi, Lidl oder Spar ihre Einkaufspreise für Grundnahrungsmittel offenlegen sollen. Das soll Preistreiberei verhindern, denn auch in der Alpenrepublik sind viele Nahrungsmittel rasant teurer geworden. Bei Experte Hudetz sorgt der Plan aber für Stirnrunzeln. „Der Gewinn wird im Einkauf gemacht, heißt es oft, doch der Endpreis hängt auch von Faktoren wie Personal-, Raum- oder Transportkosten ab.“ Das weiß auch die Politik, weshalb der Vorstoß wohl ein symbolischer Akt ist, mit dem man Menschen für sich gewinnen will – ganz ähnlich, wie das die Discounter mit der Senkung des Butterpreises versuchen.

Artikel 2 von 4