Knuspr setzt auf Lebensmittel aus der Region

von Redaktion

München – Der deutsche Lebensmittelmarkt ist hart umkämpft – und wegen der Inflation stehen hochpreisige Anbieter wie Bioläden besonders unter Druck. Jüngstes Opfer war die Münchner Bio-Supermarktkette Basic. Ausgerechnet in diesem Umfeld will der junge Lieferdienst Knuspr mit regionalen Produkten und Qualitätsversprechen punkten.

„Wir machen es umgekehrt wie der konventionelle Einzelhandel: Spezialitäten und regionale Produkte sind keine Nische, sondern machen 45 Prozent unseres Sortiments aus“, erklärt Carlos Steidl, Chefeinkäufer für Obst und Gemüse bei Knuspr. Danach kämen Standardmarken wie Barilla, nur 10 Prozent seien Produkte mit Einstiegspreisen, wie sie etwa bei Discountern dominieren.

Mit seinen rund 13 000 Artikeln will Knuspr eine nachhaltigere Alternative zum konventionellen Supermarkt sein. Dafür kämpft das Start-up mit harten Bandagen: „Wir haben unseren Mindestbestellwert unter der Woche auf 29 Euro reduziert und liefern innerhalb von drei Stunden“, heißt es vom Marketing. Die Preise für „tausende Produkte“ würden regelmäßig an die Konkurrenz im Supermarkt angepasst.

Dazu gibt es regelmäßige Rabattaktionen für saisonales Gemüse, Produkte, die sich dem Ende der Haltbarkeit nähern, und Sonderkonditionen für junge Familien, der sogenannte Hörnchenclub.

Wichtig ist Einkaufschef Carlo Steidl das Frischeversprechen: „Viel Gemüse wird morgens geerntet und ist sieben Stunden später beim Kunden.“ Möglich sei das durch Direktverträge mit vielen regionalen Bauern: „Das reduziert die Kosten in der Lieferkette – und wir können faire Preise zahlen“, so Steidl.

Bedingungen, die Florian Böck, Gemüsebauer aus Neufahrn und seit Kurzem bei Knuspr unter Vertrag, zusagen: „Bei steigenden Kosten immer günstiger produzieren das geht nicht“, so der Landwirt, der Preisdruck „zerstört“ kleine Mittelständler. „Ich hatte keine Lust mehr auf das unfaire Spiel der Supermärkte und Discounter.“

Knuspr will mit Regionalität punkten und gibt den Landwirten dafür ein Gesicht: „Wir machen auch Fotoshootings vor Ort und zeigen den Kunden, wo etwa ihre Kartoffeln herkommen“, so das Knuspr-Marketing. Die Hoffnung: Die Kunden mit Qualität und Vielfalt überzeugen. „Wir wollen keine Gewächshaustomaten aus Holland, sondern den alten, natürlichen Geschmack“, so Einkaufsmanager Steidl.

Doch das Start-up steht unter Druck, schnell Kunden zu gewinnen: Nach München (2020) und Frankfurt (2022), wurden die Wachstumspläne angesichts des schwierigen Umfelds erst mal auf Eis gelegt: „Wir wollen erst unser Geschäftsmodell entwickeln und – bestenfalls bis Ende 2023 – profitabel werden“, so ein Knuspr-Sprecher. Das vollautomatische Lager in Hamburg warte aber nur auf seine Eröffnung. M. SCHNEIDER

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