München – Wenn die Kosten für Naturkatastrophen steigen und die Inflation galoppiert, bedeutet das für Versicherer meist nichts Gutes. Der Münchner Versicherungsriese Allianz aber hat sich 2023 davon nicht beeindrucken lassen. „Die Allianz hat ihre Erfolgsbilanz weiter ausgebaut“, erklärte Oliver Bäte in München zur Bilanzvorlage. Man beherrsche das Risikomanagement, sei diversifiziert und führe branchenweit vielfach bei Mitarbeiter- sowie Kundenzufriedenheit, frohlockte der Konzernchef.
Risiko managen hieß 2023 oft auch Preise erhöhen. In der Schaden- und Unfallversicherung seien sie im globalen Schnitt um sieben Prozent erhöht worden, sagte Finanzchefin Claire-Marie Coste-Laporte. Betroffen waren vor allem Kfz-Policen und klimarelevante Policen. Mit Preissteigerungen werde es mindestens in der ersten Hälfte 2024 auch weitergehen, warnte die Französin Versicherte vor. Wenn in Werkstätten Stundenpreise von 300 Euro für Elektroautos verlangt würden, müsse die Assekuranz nachziehen, erklärte Bäte. Was Schäden durch Klimawandel angeht, sieht er viele noch in einem Irrglauben verhaftet. „Wir sind überrascht, dass die Gesellschaft überrascht ist, dass Naturkatastrophen immer mehr kosten“, sagte der Allianz-Chef.
2023 standen über die drei Konzernsäulen Schaden und Unfall, Leben und Kranken sowie Vermögensverwaltung global um 5,5 Prozent höhere Umsätze (insgesamt 162 Milliarden Euro) zu Buche. Große Teile davon waren Preiserhöhungen zu verdanken. Zugleich stieg der Jahresüberschuss um fast ein Drittel auf über neun Milliarden Euro und damit auf einen Rekordwert.
Aktionären beschert die Allianz mit einer Dividende für 2023 von 13,80 Euro einen satten Aufschlag von gut einem Fünftel. Die Anleger dürften auf Sicht verwöhnt bleiben. Die am Gewinn gemessene Ausschüttungsquote wurde ab sofort von 50 auf 60 Prozent erhöht. Dazu kommt ein neues Aktienrückkaufsprogramm über eine Milliarde Euro.
Wenn Bäte für 2024 erst einmal stabile, also stagnierende Gewinne ankündigt, nennt er das im gleichen Atemzug eine konservative Prognose. Wie im Vorjahr 14,7 Milliarden Euro operativen Gewinn peile man an – bei einer Schwankungsbreite von einer Milliarde. „Wir wollen am oberen Ende des Ausblicks sein“, betonte der Manager. Das wären dann 15,7 Milliarden Euro operativer Gewinn und wie schon im Vorjahr eine absolute Erhöhung von einer Milliarde Euro. Den im neuen Jahr größten Gewinnzuwachs traut das Management der Sparte Schaden und Unfall zu, während der im Vorjahr treibende Bereich Leben und Kranken in der Profitabilität eher stagnieren dürfte.
Gleiches gilt auch für die Vermögensverwaltung, die wegen turbulenter Finanzmärkte 2023 besonders unter Druck stand. Dennoch hat das für Dritte von der Allianz verwaltetete Vermögen voriges Jahr um 77 Milliarden Euro zugelegt. Das klingt nach viel, ist es relativ gesehen aber nicht. Denn die Allianz verwaltete für Kunden Ende 2023 die schwer vorstellbare Summe von 1,7 Billionen Euro. Nimmt man auf eigene Rechnung angelegte Gelder dazu, sind es 2,2 Billionen Euro.
Die Allianz mit ihrem Hauptsitz in München hat weltweit 157 000 Beschäftigte. 39 200 Mitarbeiter waren Ende 2023 in Deutschland tätig und damit rund 100 mehr als 2022.