ProSieben bleibt in der Verlustzone

von Redaktion

Trotz tiefroter Zahlen sieht die Führung den Konzern auf Kurs

Unterföhring – Der Medienkonzern ProSiebenSat.1 ist im vergangenen Jahr noch tiefer in die roten Zahlen gerutscht: Unterm Strich lag der Verlust bei 134 Millionen Euro. Bereits im Jahr zuvor hatte der Verlust bei 49 Millionen Euro gelegen. Überraschend war gestern, was Konzernchef Bert Habets auf der Bilanzpressekonferenz am Firmensitz in Unterföhring dazu sagte: „Unsere Strategie mit Joyn im Zentrum zahlt sich aus.“ Damit sei das Unternehmen auf Kurs.

Einerseits ein Verlust in dreistelliger Millionenhöhe, andererseits eine Strategie, die angeblich aufgeht – wie passt das zusammen?

Im Frühjahr 2023 hatte der ehemalige RTL-Manager Bert Habets nach wenigen Monaten im Amt als ProSieben-Chef angekündigt, in die Streaming-Plattform Joyn investieren zu wollen, um daraus eine neue Entertainment-Zentrale im Konzern zu formen. Gestern verwies Habets auf die Erfolge von Joyn, insbesondere im vierten Quartal 2023: Die Zahl der monatliche Nutzer sei auf 6,3 Millionen Euro gestiegen, ein Plus von 30 Prozent gegenüber dem Vorjahresquartal. Die Verweildauer der Zuschauer auf der Plattform habe sich um 15 Prozent auf insgesamt 8,8 Milliarden Minuten erhöht. Gleichzeitig seien die Werbeumsätze bei Joyn um 37 Prozent gestiegen. Einziger Schönheitsfehler: Die absoluten Zahlen der Werbeumsätze bei Joyn wollte ProSieben gestern nicht nennen. Klar ist, dass Joyn bei Weitem nicht die Verluste in anderen Teilen des Konzerns ausgleichen kann.

Bleibt die Frage: Wie ist es zu dem hohen Konzernverlust gekommen? Zum einen hat ProSieben im Jahr 2023 den Wert des Programmvermögens gemindert, zum anderen wurden Rückstellungen für den Kauf von Programmen aus Hollywood gebildet. Sieht man von diesen Sondereffekten ab, lag das Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) mit 578 Millionen Euro im Plus – aber auch das waren 15 Prozent weniger als ein Jahr zuvor. Der Konzern, der vor allem von Werbeeinnahmen lebt, erklärte: Vor allem das erste Halbjahr 2023 sei durch eine Unsicherheit bei Verbrauchern und einer damit verbundenen Investitionszurückhaltung der Werbeindustrie geprägt gewesen. Im laufenden Jahr rechnet Bert Habets mit einem ähnlichen Ebitda wie im Jahr 2023 – obwohl gerade ein großer Stellenabbau im Konzern läuft. Allein in Deutschland sollen rund 400 Stellen wegfallen.

Nach über einem Jahr im Amt wächst der Druck auf Habets. Die ProSieben-Aktie hat innerhalb von drei Jahren rund zwei Drittel ihres Wertes eingebüßt, was insbesondere den italienischen Großaktionär Media For Europe (MFE) der Berlusconi-Familie nicht erfreut haben dürfte. Ob MFE ProSiebenSat.1 übernehmen könnte oder eine Fusion ansteht, wollte Finanzvorstand Martin Mildner gestern nicht kommentieren. Er sagte lediglich, ein börsennotiertes Unternehmen stehe jeden Tag vor der Möglichkeit, übernommen zu werden. SEBASTIAN HÖLZLE

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