München – Schweden gilt seit Jahren als Vorreiter beim digitalen Bezahlen, jetzt hat die Riksbank, die Zentralbank des Landes aber die unverzichtbare Rolle von Bargeld unterstrichen: „Menschen müssen in der Lage sein, mit Bargeld zu bezahlen, sowohl im Normalfall als auch in Krisen- und Kriegssituationen“, heißt es in einem Mitte März veröffentlichten Bericht. Der schwedische Reichstag und die Regierung müssten darüber nachdenken, wie die Infrastruktur für Bargeld aufrechterhalten werden könne. Das digitale Bezahlen sei im Fall von Cyberangriffen und Störungen im Strom- und Telekommunikationsnetz anfällig. Das Münchner Technologieunternehmen Giesecke+Devrient bezeichnete die Aussagen der Riksbank als „Kurswechsel“, da die Zentralbank vom Ziel Schwedens abrücke, innerhalb der nächsten zehn Jahre zu einer bargeldlosen Gesellschaft zu werden. „Bargeld ist nach wie vor das einzige Zahlungsmittel, das einfach, ohne Voraussetzungen genutzt werden kann und verfügbar ist“, bekräftigte das Unternehmen. „Die schwedische Zentralbank zieht daher den Schluss, dass im Zahlungsmittel-Mix der Zukunft Bargeld ein fester Bestandteil bleiben soll.“
Giesecke + Devrient dürfte die Entwicklung in Schweden schon allein deshalb mit Interesse verfolgen, da das Unternehmen sowohl Bargeld für Notenbanken weltweit produziert, gleichzeitig aber auch digitale Zahlungssysteme entwickelt und damit Trends früh erkennen muss. Generell ist die Entwicklung weltweit seit Jahren aber eindeutig: Die Rolle von Bargeld im Alltag schwindet. In Deutschland zwar langsamer als in anderen Ländern, aber auch hier setzen sich zunehmend digitale Systeme durch. Mancherorts wird das Bargeld gleich ganz abgeschafft: So sind etwa in der Münchner Olympiahalle ab April Speisen und Getränke nur noch mit EC- oder Kreditkarte erhältlich. Vor zwei Wochen hatte mit der Alten Utting ein prominenter Gastronomiebetrieb auf Kartenzahlung umgestellt. Und in der Münchner Allianz Arena werden bereits seit Jahren keine Münzen und Scheine mehr angenommen. sh, nba