Gläubiger geben Galeria noch eine Chance

von Redaktion

Galeria vorerst gerettet: Insolvenzverwalter Stefan Denkhaus (l-r), Unternehmer Bernd Beetz und Galeria-Chef Olivier Van den Bossche zeigen Zuversicht. © Fabian Strauch

Essen/München – Galeria Karstadt Kaufhof hat die letzte große Hürde für seine Rettung genommen. Die Gläubigerversammlung stimmte am Dienstag in Essen dem Plan zur Sanierung der angeschlagenen Warenhauskette zu, wie Insolvenzverwalter Stefan Denkhaus mitteilte. „Ich freue mich für die Belegschaft von Galeria und für die Gläubiger“, sagte er. Kern des Plans ist, dass von 92 Filialen 76 übrig bleiben – trotzdem verlieren etliche Beschäftigte ihre Arbeit. Der neue Eigentümer Bernd Beetz erklärte: „Ich muss einen besseren Job machen als meine Vorgänger.“ Er kündigte an, Kunden ein besseres Einkaufserlebnis bieten und eine neue Mentalität in der Belegschaft etablieren zu wollen. „Wir haben die Kompetenz, aber auch den Kampfgeist“, so Beetz.

■ Filialen schließen

Nach Ende der Beschwerdefrist kann zuständige Amtsgericht Essen das Verfahren in den kommenden Wochen aufheben. Dann ist der Weg endgültig frei für die Sanierung des Handelsriesen und die Übernahme durch die neuen Eigentümer: Dabei handelt es sich um die US-Investmentgesellschaft NRDC und die Beteiligungsfirma von Beetz.

Die Beschäftigten haben schon jetzt weitgehend Klarheit. Das Zittern nach der dritten Insolvenz innerhalb von weniger als vier Jahren hat vorerst ein Ende. Anders als es mancher Handelsexperte vorhergesagt hatte, geht es für Galeria weiter. Dennoch zahlen Unternehmen und Beschäftigte erneut einen großen Preis. Wieder schließen deutschlandweit Filialen, 1400 Menschen verlieren ihren Job. Die Gewerkschaft Verdi stellte vor dem Messegebäude für jede Schließfiliale ein symbolisches Holzkreuz auf. Auf einem Plakat heißt es in Bezug auf den gefallenen österreichischen Unternehmer: „Benko, danke für nichts!“

Der Schnitt bei Galeria erfolgt dabei längst nicht so tief wie erwartet. Experten hatten im Januar vorhergesagt, dass allenfalls 20 bis 30 Standorte erhalten bleiben. Viele äußerten Zweifel, dass sich überhaupt ein Interessent finden würde.

■ Gläubiger verzichten

An der nicht-öffentlichen Veranstaltung nahmen rund 120 Leute teil, die rund 4600 Gläubiger vertreten haben. Sie müssen mit der Annahme des Insolvenzplans wieder auf viel Geld verzichten. In den vergangenen Wochen hatten Vermieter, Lieferanten und andere Gläubiger wie der Bund Forderungen in Höhe von 886,1 Millionen Euro angemeldet. Voraussichtlich fließen nur bis zu 22,5 Millionen Euro – das sind 2,5 bis 3 Prozent – an sie zurück. Zahlungen aus den Ansprüchen gegen den bisherigen Eigentümer, die Signa-Gruppe des Unternehmers René Benko, könnten die Quote noch erhöhen. Weil vom finanziell angeschlagenen Mutterkonzern zugesagte Hilfen ausgeblieben waren, rutschte Galeria zu Jahresbeginn erneut in die Insolvenz.

■ Zweifel bleiben

Trotz allem sind Zweifel und Unsicherheit nicht verschwunden. Wie gelangt Galeria zurück in die Erfolgsspur? Wie behauptet man sich gegen Handelsriesen wie Amazon und Portale wie Shein und Temu? Und wie wird verhindert, dass das Warenhausunternehmen 2025 erneut in Schieflage gerät? Entscheidend wird sein, was Beetz und die Investmentgesellschaft NRDC um den früheren Kaufhof-Eigner Richard Baker in die Warenhauskette stecken. Im Insolvenzplan steht, dass sie „umfangreiche finanzielle Mittel“ für Sanierung und Neuausrichtung zugesichert hätten, nicht wie viel. „Die neuen Eigentümer müssen noch zeigen, dass es ihnen ernst ist“, sagte der Insolvenzexperte Manfred Hunkemöller.

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