Kunden zögern bei der Wärmepumpe

von Redaktion

Berlin – Die Wärmepumpe soll eine Schlüsselrolle spielen bei der „Wärmewende“ – doch Kunden zögern. „Die Verunsicherung ist für die Heizungsbauerbetriebe landauf, landab täglich greifbar“, sagte Frank Ebisch, Sprecher des Zentralverbands Sanitär Heizung Klima. Der Bundesverband der Deutschen Heizungsindustrie (BDH) spricht von einer „he-rausfordernden“ Marktsituation. Im ersten Quartal ist der Absatz von Wärmepumpen nach BDH-Angaben im Vergleich zum Vorjahr um 52 Prozent auf 46000 Geräte eingebrochen. Die Branche rechnet für das Gesamtjahr mit rund 200 000 abgesetzten Geräten. Die Bundesregierung hatte als Ziel formuliert, dass ab 2024 jedes Jahr 500 000 Wärmepumpen installiert werden.

Die Debatte um das neue Gebäudeenergiegesetz (GEG) habe viel Vertrauen bei den Verbrauchern verspielt, sagte ein BDH-Sprecher. „Hinzu kommt, dass die Menschen derzeit noch viel zu wenig über die GEG-konformen technischen Lösungen und über die neue Förderkulisse wissen.“

Der starke Nachfragerückgang gegenüber dem Vorjahr gehe auf eine Reihe von Faktoren zurück, sagte Martin Sabel, Geschäftsführer des Bundesverbands Wärmepumpe. „Noch vor zwei Jahren haben sich Endverbraucher große Sorgen über die Preis- und Versorgungssicherheit bei Gas und Öl gemacht. Diese Sorge besteht bei vielen derzeit nicht mehr. Zudem würden CO2-Preise weiter ansteigen, ab 2027 möglicherweise auch sprunghaft durch den europäischen Zertifikatehandel. Außerdem habe die Diskussion rund um das GEG und die kommunale Wärmeplanung zu einer großen Verunsicherung und einer Abwartehaltung vieler Hausbesitzer geführt.

Nach heftigen Streitigkeiten auch in der Ampel-Koalition war Anfang 2024 das GEG – auch als Heizungsgesetz bezeichnet – zu Jahresbeginn in Kraft getreten. Das Gesetz sieht vor, dass von 2024 an jede neu eingebaute Heizung zu 65 Prozent mit Erneuerbaren Energien betrieben werden muss. Die Regelungen greifen aber zunächst nur für Neubauten. Funktionierende Heizungen können weiter betrieben werden. Dreh- und Angelpunkt für bestehende Gebäude ist eine kommunale Wärmeplanung. Sie soll in Großstädten ab Mitte 2026 und für die restlichen Kommunen ab Mitte 2028 vorliegen. Hauseigentümer sollen dann Klarheit haben, ob sie zum Beispiel an ein Fernwärmenetz angeschlossen werden oder ob sie sich um eigene Heiz-Lösungen kümmern sollen.

Die Wärmeplanung aber könnte den Wärmepumpen-Markt erst einmal ausbremsen, befürchtet die Branche. „Modernisierungswillige Investoren warten ab, schauen auf die anlaufenden Wärmeplanungen in den Kommunen und ordern im Zweifel noch Gas- oder Ölheizungen“, sagte Ebisch.

„Im Sommer 2022 stand für viele Menschen fest: Ich möchte weg vom Erdgas, und die Wärmepumpe ist die Lösung“, sagte Tillmann von Schroeter, Chef des Heizungsbauers Vaillant Deutschland. „Am Stammtisch hieß es: ,Wärmepumpe, Wärmepumpe, Wärmepumpe‘.“ Hauseigentümer sollten sich nun nüchtern die Sachlage anschauen. „Wir müssen aus dieser Achterbahn raus, in der die Wärmepumpe erst als Allheilmittel und dann zu Unrecht als ungeeignete und sehr teure Technologie dargestellt wurde.“ Auf die kommunale Wärmeplanung zu warten mache keinen Sinn. „Wenn ich als Hausbesitzer Platz habe, eine Wärmepumpe aufzustellen, ist das für die meisten Immobilien die beste Lösung“, sagte von Schroeter. Und der Wert der Immobilie steige.

Beim Umstieg auf eine klimafreundliche Heizung ist eine Förderung von maximal 70 Prozent möglich, neben einer Grundförderung gibt es einen „Speed-Bonus“ und einen Einkommensbonus. Die maximale Förderung liegt bei 30 000 Euro für ein Einfamilienhaus. Aus Sicht der Branche scheint das bei vielen Haushalten noch nicht angekommen zu sein.

Artikel 2 von 3