Nvidia-Chef Jensen Huang gilt wie früher Steve Jobs von Apple als Rockstar der Technologie-Welt. © afp
Santa Clara – Mancher Anleger, der diese Woche einen Blick in sein Depot geworfen hat, dürfte einen kleinen Schock bekommen haben: Die Aktie von Nvidia, die umgerechnet bis vor Kurzem rund 1100 Euro wert war, stand dort plötzlich mit einem Kurs von knapp 120 Euro. Was ist da passiert?
Der Grund für den vermeintlichen Kursrutsch: Ein sogenannter Aktiensplit. Dabei wird die Zahl der Aktien erhöht, ihr Wert im Gegenzug aber verringert. Das passiert automatisch, Anleger müssen dabei also nicht selbst tätig werden. Konkret gab es bei Nvidia zehn Aktien für eine, die neun neuen Anteile wurden automatisch ins Depot gebucht. Das hatte das Unternehmen am 22. Mai angekündigt, durchgeführt wurde der Split am 7. Juni. Wer also zuvor eine Nvidia-Aktie für 1100 Euro hatte, hat nun zehn für je 110 Euro. Unter dem Strich besitzt er also weiter exakt den gleichen Anteil am Unternehmen – nur eben gestückelt in zehn Papieren statt wie bisher in einem. Zur historischen Vergleichbarkeit glätten die Datenanbieter die Kurscharts und tun so, als hätte die Aktie schon immer ein Zehntel gekostet.
Doch wieso macht Nvidia das? Das hat vor allem einen Grund: Im Zuge des Hypes um Künstliche Intelligenz hat der Hersteller von Grafikprozessoren rasant an Wert gewonnen und gehört heute mit mehr als drei Billionen Dollar Börsenwert zu den teuersten Konzernen der Welt. Noch vor fünf Jahren kostete ein Nvidia-Anteil rund 50 Euro, seitdem hat sich der Aktienkurs mehr als verzwanzigfacht. Die Folge: Mit einem Preis von über 1000 Euro war die Aktie für viele Privatanleger zu teuer. Seit dem Split kostet sie ein Zehntel und ist erschwinglicher.
Nvidia ist natürlich nicht die erste Aktiengesellschaft mit dieser Idee. Ähnlich haben es schon deutsche Dax-Konzerne wie BASF oder Siemens sowie US-Firmen wie Apple, Amazon und Tesla gemacht. Netter Nebeneffekt bei den US-Werten: Sie werden plötzlich auch für den Dow-Jones-Index interessant, wo nicht nur der Börsenwert, sondern auch der konkrete Aktienkurs eine Rolle spielt.
Für Anleger, welche die Aktie schon besitzen, kann ein Split übrigens von Vorteil sein. Ist eine Aktie billiger, lassen sich nicht nur Teile der Position leichter verkaufen oder nachkaufen. Der günstigere Preis zieht womöglich auch neue Kleinanleger an, was den Kurs nach oben treiben kann. Laut einer Berechnung des Aktienstrategen David Kostin von Goldman Sachs hatten jene Aktien im Russell-1000-Index, die einen Split hatten, im Schnitt eine minimal bessere Kursentwicklung als der Rest.
Auch bei Nvidia ging es nach dem Split aufwärts. Obwohl die Aktie scheinbar billiger geworden ist, halten viele Analysten das Unternehmen dennoch für viel zu teuer. Drei Billionen Euro ist Nvidia wert, zum Vergleich: Die gesamte deutsche Wirtschaftsleistung liegt pro Jahr nur bei vier Billionen Euro. Nvidia sei ein tolles Unternehmen, aber „völlig überteuert“, sagt deshalb Reinhard Panse, Anlagestratege von Finvia. „Selbst wenn Nvidia seinen Gewinn über Jahre verdoppeln würde, wäre die Bewertung noch zu hoch.“
HÖSS